• 15.06.2024

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Einfach nur Sex?

weib

» Artikel vom

Stiller Gastautor: Joe Lück

Als langjähriger stiller Mitleser hat mich Senftubes Erfahrungsbericht inspiriert, hier auch mal meinen Senf dazugeben zu wollen. Vielleicht, weil ich mich in einigen Punkten selbst wiedererkennen konnte. Oder auch einfach um Danke zu sagen für die vielen guten Tipps, die man hier im Männermagazin findet – auch wenn es in meinem Fall zu spät kam.

Vom Typ her bin ich – geht man nach Myers-Briggs – ein introvertierter, logisch denkender Pragmatiker (ISTP), das dürfte so hinhauen. Aber fangen wir vorne an. Eigentlich hatte ich eine schöne Kindheit, soweit ich das im Rückblick einordnen kann. Ich wuchs auf dem Dorf auf und ging später aufs Gymnasium. Dort war ich zwar keiner von den Coolen, aber auch nicht der Assi, der es von allen abbekam - einfach nur ein schüchterner, unscheinbarer Mitläufer. Das Zugehen auf Mädchen und Frauen fiel mir aber immer schon schwer. Dementsprechend gab es in meiner Jugend auch keinerlei Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Ab der Pubertät konnte ich nur andere beneiden, wie sie scheinbar mühelos anbandeln konnten und mir ihre Geschichten über Fummeleien und später auch mehr anhören. Mir blieb nur die Fantasie und meine grosse "Hausaufgaben"-Sammlung, zuerst auf Papier, später digital. Denn in technischen Dingen war ich immer schon recht fit.
Das war auch der Grund, warum ich später Elektrotechnik studierte – gut, das war dann auch nicht der optimale Ort, um endlich mal Frauen kennenzulernen. Aber dafür konnte man wenigstens fokussiert studieren.

Generell würde ich mich als Spätzünder beschreiben, meine erste Erfahrung mit Alkohol hatte ich mit 17, in die Disco ging ich mit 19. Durch ebenso passive Nerd-Freunde war da nicht ans Aufreissen zu denken. Wenn die mal mit auf die Tanzfläche gingen, war es schon viel. Chancen gab es vielleicht ein paar, doch diese habe ich aufgrund meines introvertierten Charakters nie ergriffen - ist halt einfach doof, wenn Initiative immer vom Mann erwartet wird.

Und so war ich bereits 24, als ich zum ersten Mal eine echte Muschi sah. Nach der Disco wollte eine 18-jährige, die ein Kumpel schon zigmal flachgelegt hatte, nicht mit zu ihm - denn sie war ja nicht so eine und hat mir das auch mehrfach versichert. Deshalb kam sie mit zu mir (ins Kinderzimmer). "Wie du hast noch nie? Willst du mal meine Brüste fühlen? Hey Süsser, du darfst ihn bei mir hineinstecken. Brauchst auch keinen Gummi, ich nehm' eh die Pille."
Ich ordne es als göttliche Fügung ein, dass ich bei meinem unrühmlichen ersten Mal keinen hochbekommen habe - wer weiss, was ich mir da eingefangen hätte …

Zufälligerweise hat mich nur drei Monate später eine andere Dame auserkoren. Zu dem Zeitpunkt war sie 21 und noch recht ansehnlich, wenn auch eher klein, mit Tendenz zu untersetzt. Hätte es das Männermagazin schon gegeben und ich gewusst, dass ich mir ihre Mutter anschauen muss, hätte ich ahnen können, wohin die Reise geht ... Jedenfalls ergab es sich bereits beim ersten Zusammenkommen, dass ich sie leckte, was ihr auch sehr zu gefallen schien (ich war ja immer noch völlig unerfahren). Auf die Frage, ob sie Kondome hätte, meinte sie nur "Dafür sei es noch viel zu früh" - wie kann ich als introvertierter Betatyp, der Sex nur aus Pornos kennt, auch erwarten beim ersten Date einen Stich zu landen? Jedenfalls waren wir ab da zusammen. Wochen später durfte ich dann auch einlochen und wie es das Schicksal so wollte, wurde sie ein Jahr später schwanger und später meine Frau - entweder hatte sie es bewusst darauf angelegt, einen angehenden Ingenieur zu angeln oder ihre biologische Firmware funktioniert sehr effizient…

Mittlerweile - also etwa 16 Jahre und 4 Kinder später - hat man sich arrangiert. Gut, wir leben immer noch in der Kleinstadt, da sind alle verheiratet und das Familienleben scheint überall intakt. Ich gehe mal davon aus, dass bei den meisten der Schein trügt. Denn wenn irgendeine Alte in geselliger Runde Sprüche reisst, wie toll doch ihr Mann ist und wie oft sie für ihn die Beine breit machen muss, schämt man sich innerlich dafür, weil man genau weiss, dass das letzte Mal schon wieder Monate her ist. Den Sex kann man an einer Hand pro Jahr abzählen. Den Pudelmännern – mich eingeschlossen – geht es vermutlich überall gleich. Man lässt die Weiber labern und gibt ihnen, was sie wollen, nur damit man seine Ruhe hat – nur Sex wollen sie so gut wie nie. Ja gut, mann könnte ja mal wieder Initiative ergreifen. Aber das klingt nach Arbeit und so geil sieht sie nun auch nicht mehr aus. Also hat man halt einfach keinen Bock mehr auf sie. Auf andere vielleicht schon – aber die sind ja leider nicht so einfach zu haben, zumindest nicht für Normalos. Dann lieber Handbetrieb, abends, wenn sie bereits friedlich schnarcht von ihrem anstrengenden Halbtagsjob, der ja eigentlich ein doppelter Vollzeitjob ist, weil sie ja noch den ganzen Haushalt machen muss und nebenher alles organisiert und soviel unbezahlte Care-Arbeit leistet ... Die Männermagazinleser wissen, wie anstrengend so ein Leben als Ehefrau ist.

Apropos Männermagazin: Hätte es das schon früher gegeben, hätte ich gewusst auf was ich mich einlasse und wäre wie meine Brüder solo geblieben. Die haben zwar auch keinen Sex, aber dafür können Sie tun und lassen, was sie wollen. Aber jetzt ist die Bagasche nun mal da. Was ist die Alternative? Alles stehen und liegen lassen? Die Kinder im Stich lassen? Selbst am Existenzminimum leben, um der Alten das Geld in den Rachen zu werfen? Noch mehr gescheiterte Alleinverzogene für das beste Schland aller Zeiten produzieren? Nur wegen zu wenig Sex?

Das muss nicht sein, irgendwie geht’s einem ja noch gut genug. Dann gibt es eben daheim zu wenig Sex. Muss man ihn sich halt extern besorgen. Nur wie? Denn Begegnungen mit Frauen sind anstrengend für mich. Bei Männern bin ich schon wortkarg und wir reden nur über Themen, die uns beide interessieren. Als pöhser Verschwörungsfuzzi lasse ich mich auf politische Diskussionen erst gar nicht ein und Smalltalk ist auch nicht mein Ding. Bei Frauen geht die Schnittmenge möglicher Gesprächsthemen da gegen null. Das erschwert die Anbahnung einer potenziellen Gelegenheitsmatratze immens – aber das ist hier in der Kleinstadt sowieso gefährlich, weil sich jeder über ein paar Ecken kennt.

Bleiben nur externe Dienstleisterinnen. Für mich als Pragmatiker ist das optimal. Denn es ist von vornherein klar, worum es geht: Sex gegen Geld. Kein Aroma, kein Paloma und kein Chichi – einfach nur Bumsen, perfekt. Letztlich ist das doch der einzige Grund, warum man sich überhaupt noch auf Frauen einlässt. Vor Corona war ich einige Male alleine auf Geschäftsreisen unterwegs, das war optimal für das Aufsuchen gewisser Etablissements, ohne dabei Gefahr zu laufen, von irgendjemandem erwischt zu werden. Ich muss sagen, dass meine Erfahrungen dabei im Grossen und Ganzen sehr positiv waren. Gut, wie bei jedem Geschäft legen manche Händler mehr Wert auf Kundenzufriedenheit als andere. Einige Osteuropäerinnen sind mir zum Beispiel als weniger kundenorientiert und eher monetär fixiert aufgefallen (z.B. 1 Stunde bezahlt, nach 20 Minuten fertig: "Sorry, it's one-time fuck"). Andere dagegen haben sich noch Zeit gelassen, massiert, geredet, … und wenn es von vornherein klar ist, warum man da ist, klappt es auch mit dem Smalltalk – je nach Sprachbarriere. Sehr positiv überrascht war ich zweimal von deutschen Damen, die entgegen den meisten ihrer nicht-gewerblichen LandsmännerInnen offenbar Freude am Vögeln hatten. Dass es zwischen Mann und Frau ein Geben und Nehmen sein sollte, scheint die restliche, emanzipierte deutsche Damenwelt leider nicht zu verstehen, was für ihre Männer im Endeffekt nur heisst: "Ich will Leistung, ohne dafür zu bezahlen!"- scheint so ein Dauerthema hier zu sein!? Überall sonst würde man solche Anspruchsteller schnellstmöglich vor die Tür setzen ...

Was ist die Moral von der Geschichte? Nichts Neues für die Leser hier: Entweder man lebt abstinent oder man muss für Sex bezahlen. Sei es mit Geld bei Nutten, oder noch viel mehr Geld und als nützlicher Idiot bei allen anderen Weibern. Ich denke, dass fast alle Männer dieses Schicksal teilen, die nicht Chad, Rummelplatz-Rudi oder Hantel-Hakan heissen. Und auch wenn ich dank Männermagazin weiss, dass der Sex nie so gut ist, wie man ihn sich beim Wichsen vorstellt, so ist das leichter gesagt als getan. Auch heute noch beneide ich andere um ihre Eskapaden, denn mir hat sich noch nie eine dieser scheinbar unzähligen Möglichkeiten für spontanen Sex mit der Nachbarin, Lehrerin, Arzthelferin oder sonst wem geboten - dazu fehlen mir wohl einfach die Fickerfertigkeiten. Rückblickend habe ich es noch nicht einmal geschafft, eine Frau ins Bett zu bekommen, die ich mir ausgesucht hatte. Dass ich mich überhaupt fortpflanzen konnte, lag nur daran, dass ich von einer ausgewählt wurde … Tja, das ist vermutlich das Los eines zu nachdenklichen Typen, den Kopf nicht ausschalten zu können, um einfach mal was zu riskieren. Ist schon irgendwie frustrierend, aber was soll's? Im nächsten Leben werde ich einfach Bonobo … *

*https://de.wikipedia.org/wiki/Bonobo#Sexuelle_Interaktion

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