• 08.12.2021

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Der Freie Mann und das Freie Kapital

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» Artikel vom

Gastautor: Fritz

Egal, ob Mann viel oder wenig Einkommen hat, verheiratet, unterhaltspflichtig oder frei ist, er sollte von seiner hart erarbeiteten Kohle immer etwas beiseitelegen. Ein finanzielles Polster schafft Handlungsspielraum und ist damit ein Teil individueller Freiheit. Stapeln sich jedoch die Geldscheine unter dem Kopfkissen, dass beim Schlafen Nackenprobleme entstehen, so ist es an der Zeit, den Schotter zu investieren. Die Auswahl an Möglichkeiten für Investments ist riesig und überall will man vom Investor nur das Beste, sein Geld. Wer hier auf die Finanzverkäufer hört, die sich gern Berater nennen, wird mit der Rendite bestenfalls im unteren Mittelfeld landen. Es gilt also, selbst die Kontrolle über sein Kapital zu behalten und für seine persönlichen Verhältnisse das Optimale herauszuholen.

Wie kategorisieren sich nun Kapitalanlagen? Zunächst unterscheidet man zwischen Forderungen und Sachwerten. Forderungen sind all das, was eine definierte Zahlung eines Anspruchsgegners beinhaltet. Das geht vom Bargeld über Bankkonten, Olafs Sparbuch, Lebensversicherungen, Anleihen, bis hin zur sicheren gesetzlichen Rente. Der Wert dieser Assets hängt zum einen von der Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit, aber auch vom Wert der vereinbarten Gegenleistung ab. Bei einer Anleihe muss der Schuldner zahlen können und wollen und auch die vereinbarte Währung muss etwas wert sein. Gläubiger argentinischer Staatsanleihen wissen dies. Das Gegenteil der Forderungen sind die Sachwerte. Darunter zählen sowohl physikalisch greifbare Dinge wie Metalle, Kunstgegenstände und Häuser, als auch virtuelle Sachwerte wie Bitcoin. Genauso zählen Aktien und Land zu den Sachwerten. Nun werden einige die Augen rollen, aber aus der Definition heraus ist alles ein Sachwert, was keine Forderung ist. Und ja, eine Aktie und auch ein Bitcoin stellen keine vertraglich vereinbarte Zahlung dar. Der Wert eines Sachwertes hängt immer davon ab, wie viel ein Käufer bereit ist, dafür zu bezahlen, was wiederum von der angebotenen und nachgefragten Menge abhängt. Zu beachten gilt, dass Derivate auf Sachwerte, wie Optionsscheine oder Zertifikate, nur Forderungen darstellen.

Die nächste Einordnung von Kapitalanlagen ist deren Liquidität. Die liquidesten Anlagen sind Bargeld und Giralguthaben im Geltungsbereich des entsprechenden Währungsraumes. Man muss dafür keinen Käufer finden, sondern kann sie direkt zum Zahlen einsetzen. Daher gehören diese immer in ausreichender Menge ins Portfolio, so sehr man auch dem Fiat-Money misstraut. Bei allen anderen Anlagen hängt die Liquidität davon ab, wie schnell man einen Käufer findet und wie transparent die Preisfindung ist. Eine Goldmünze in einer bekannten Prägung wie der Krügerrand lässt sich überall auf der Welt in kürzester Zeit im direkten Austausch veräußern. Eine Aktie lässt sich ebenso mit wenigen Mausklicks veräußern, erfordert jedoch geöffnete Börsen. Vorteil hier und bei Metallen ist, es gibt permanent einen Kurs. Diamanten und Oldtimer haben es da schon schwerer, die wollen erst aufwändig geprüft und auch verhandelt werden. Was ist letzte Preis? Sehr illiquide sind Immobilien oder nicht-börsliche Firmenbeteiligungen, braucht es doch Notare und ggf. Makler, Gutachter und andere Handaufhalter. Gar nicht liquidierbar sind die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente, allein das lange Leben lässt hier auf Rückzahlung hoffen.

Nun zur Beweglichkeit der wertvollen Dinge. Immobilien, wer hätte das gedacht, kann man nicht mitnehmen und noch weniger lassen sie sich verstecken. Angehende Republikflüchtlinge und Unterhaltspreller sollten hier rechtzeitig veräußern, bevor es zu spät ist. Auch Silberanleger sollten sich nicht zu früh freuen, denn das anlaufende Metall wird in nennenswerter Menge trotz Schubkarre schnell zur Immobilie. Eine Flucht nach Thailand fällt da flach. Kleine Goldmünzen lassen sich im Geldbeutel in geringer Menge noch unbemerkt durch den Handgepäckscanner am Flughafen bringen, aber auch hier wird es irgendwann auffällig und sogar gefährlich. Bankguthaben sind da schneller beweglich, solange das Familiengericht noch keine Pfändung verfügt hat. Ebenso lassen sich Wertpapiere recht gut übertragen. Die Königsklasse der Beweglichkeit sind Kryptocoins. Egal wie groß die Menge ist, man transportiert im Zweifel den Private Key seiner Wallet im Gedächtnis um die Welt und keiner kann es sehen oder gar verhindern.

Bei aller Bescheidenheit, der größte Anreiz für das Geldanlegen ist der Profit. Dem Profit gegenüber steht aber immer das Risiko, seine sauer verdiente Kohle zu verlieren. Profit gibt es in zwei Arten. Einmal als Ausschüttung in Form von Zinsen, Mieten oder Dividenden. Die andere Möglichkeit sind Wertsteigerungen. Beim Risiko hängt es von der obigen Kategorie der Anlagen ab. Forderungen haben per Definition das Risiko des Zahlungsausfalls und der Entwertung per Inflation, Sachwerte den des Preisverfalls. Sind es Nutzgegenstände, kommen die Abnutzung und der Verfall hinzu: Der Oldtimer rostet, der Beton des Hauses bekommt Risse und die Maschinen der Firma, deren Aktionär man ist, gehen kaputt. Weitere Risiken sind Diebstahl, Enteignung, Verlust, Zerstörung oder schlicht Betrug. Auch sollte die maximale Verlusthöhe beachtet werden. Beispielsweise sind Edelmetalle oder Aktien im Verlust auf 100% begrenzt. Bei gehebelten Derivaten oder anderer Kreditfinanzierung sowie nachschusspflichtigen Beteiligungen kann es auch zu mehr als 100% Verlust kommen.

Weiter zu den Kursschwankungen. Wer Angst vor diesen hat und meint, mit dem Geldkoffer unter dem Bette sei man davor sicher, kann falscher nicht liegen. Alles unterliegt, in Analogie zu Einsteins Relativitätstheorie, Kursschwankungen. Bargeld oder Bankguthaben sind nur per Definition in der jeweiligen Währung „sicher“ davor, schwanken aber genauso gegenüber allen anderen Sachen. Es ist alles nur eine Frage des Blickwinkels. Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Kryptos sind in dieser Hinsicht ehrlich, denn es gibt permanent Börsenpreise. Eine Immobilie kann ebenso heftig im Preis schwanken, man nimmt es nur nicht so schnell wahr, weil der zeitliche Horizont ein anderer ist und der Wertgutachter eben nicht täglich vorbeikommt. Das Maß aller Dinge eines jeden, der Kapital investiert, sind die Preisverhältnisse der Anlageklassen untereinander. Wie viele Unzen Gold kostet eine Eigentumswohnung? Wie viele Aktien der Firma x bekomme ich für einen Bitcoin? Nur über diese Art von Ratios lässt sich einschätzen, was teuer oder billig ist. Wer nur in Geld denkt, welches langfristig immer entwertet und damit steigende Realpreise suggeriert, bekommt jedenfalls keinen Durchblick.

Was soll der Freie Mann nun mit seinem Kapital machen? Zunächst eigene Gedanken. Jeder hat eine individuelle Situation, daher gibt es keine Einheitsempfehlung für eine Portfoliogestaltung. Was jeder haben sollte, sind ausreichend liquide Mittel in Form von Bargeld und Bankguthaben als Puffer für Lebenshaltung, unerwartete Ausgaben und Kaufgelegenheiten aller Art. Wird auf Unabhängigkeit Wert gelegt, dann sollte die Tendenz in Richtung Sachwerte, hohe Liquidität, Mobilität und begrenztes Risiko gehen. Das heißt jedoch nicht, dass immobile oder illiquide Assets schlecht sind. Solange die Rendite dies ausgleicht, sind das hervorragende Geldanlagen. Auch sollte man nicht dogmatisch sein, denn die Konzentration auf eine alleinige Anlageklasse und die Verteufelung der anderen ist keine gute Idee. Auf die individuelle Kombination der verschiedenen Assets kommt es an, welche alle persönlichen und auch finanzmarkttechnischen Situationen abdeckt. Und bitte nicht beim Investieren zu negativ denken, die meiste Zeit herrscht eben kein Weltuntergang. Vermeintliche Weltuntergangsassets wie Gold laufen auch im Wirtschaftsboom oft erstaunlich gut und ebenso überleben viele Firmen und Immobilien den Staatsbankrott überraschend unbeschadet.

Disclaimer: Investieren ist keine Challenge, der Reichste auf dem Gottesacker zu sein, sondern ein Weg, das Beste aus seinem Leben zu holen!

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