• 23.04.2024

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Mangelhaft

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» Artikel vom

Gastautor: ibamvidivici

Jeder, der sich von der Uni nicht gänzlich verblöden liess, weiss, dass Mann und Frau nicht gleich sind. Wie lässt sich dieser Unterschied auf eine ganz einfach oberflächliche Formel bringen? Ich würde sagen: Männer sind perfekt, und Frauen sind nur fast perfekt.

Dazu ein paar Beispiele:

1) Eigentum verpflichtet, heisst in Deutschland die Devise, und wer eine grosse Wiese besitzt, muss diese auch pflegen. Im Juni heisst das, dass das Gras geschnitten werden muss. Mister Perfekt hat das bisher immer akribisch getan, es solle ihm doch keiner in der Nachbarschaft nachsagen, Mister Perfekt wäre abgestürzt, er versage schon bei simplem Gras, es wuchert schon über den Radweg. Er würde ja auch dieses Jahr gerne wieder tätig werden, aber eine Wanderverletzung lässt ihn noch nicht. Doch halt, da gibt es ja diese Nichte! In Uni und Beruf ist sie erfolgreich, die Karriere scheint ihr geradezu zuzufliegen, sie muss also sehr fleissig sein und gute Ergebnisse abliefern, perfekt! Genau die richtige, um einer Wiese eine schöne Pflege zu verpassen! Nachdem telefonisch Aufgaben und Sold ausgemacht ist und Mister Perfekt ihr alle Werkzeuge bereitstellen kann, soll sie loslegen. Doch ach: die Werkzeuge werden ihr nicht startfertig an die Wiese gebracht, sondern sind im Schuppen und der Besitzer hat sie wegen seiner Wanderverletzung für die gesamte Tätigkeit engagiert! So war das aber nicht gedacht! Bis zum Mittag scheint sie zu überlegen, ob sie nicht alles sein lässt und einfach wieder abfährt. Aber dann startet sie doch noch mit der Arbeit. Und keine dummen Tipps! Rasen mähen ist Kinderkacke, nicht so wie ihr echt anspruchsvoller Beruf! Am Abend ist sie fertig, kassiert, wechselt ein paar Worte, und geht. Man sieht ihr an, dass sie nicht damit gerechnet hatte, wegen blöden Rasen mähen ins Schwitzen zu kommen. Es ist nun mal mehr, als nur hin- und herlaufen. Als Mister Perfekt am nächsten Tag das Ergebnis sieht, erschrickt er: Der Rasen ist unsauber gemäht, an vielen Stellen steht das Gras hoch wie vorher, das abgeschnittene Gras wurde nicht vom Auffangbehälter aufgenommen, sondern liegt überall herum, die Ränder wurden ganz ausgelassen, von Wanderern weggeworfener Verpackungsmüll wurde nicht aufgelesen, sondern einfach mit zerhäckselt und ist überall verteilt, der Radweg wurde danach nicht gekehrt, wo nun das ganze abgeschnittene Gras draufliegt, usw. Die Aufgabe lautete zwar nur 'Rasen mähen' aber wie kann frau dabei so viel übersehen? Indessen, sie ist halt nicht Mister Perfekt, sie ist nur Misses Fast-Perfekt.

2) Eine alte rostige Schranke auf einem Waldweg, die verhindern soll, dass Autos hier entlangfahren. Der Waldweg ist nämlich eine beliebte Abkürzung zwischen zwei Dörfern. Rechts von der Schranke ist ein kleiner Durchgang, der in der Breite am Rand durch einen weiteren Stahlpoller beschränkt ist, damit auch Kleinwagen sich nicht rechts an der Schranke vorbeimogeln können. Hier jedoch kommt ein junger Mann mit seiner Freundin auf dem Motorrad vorbei, welches die Freundin fahren darf. Das Motorrad passt durch diese Lücke durch, der Mann hatte das bereits mehrfach getan, mit links und rechts noch knapp 10 cm Platz. Geübte würden einfach durchfahren. Die Freundin steuert nun das Moped auf diese Lücke zu, statt sie aber mittig anzupeilen, seitlich so versetzt, dass das Motorrad hälftig vom Schrankenrohr getroffen wurden wäre. „Stopp“, ruft da laut der Mann, offensichtlich ist es sein Motorrad. Er lässt die Frau ein gehöriges Stück zurücksetzen. Erneut fährt die Frau auf den Durchgang zu, besser, aber wieder außermittig. „Stopp“, ruft wieder der Mann, „nochmal zurücksetzen“. Offensichtlich ist dem Mann sein Motorrad sehr wichtig. Jedoch die Frau lenkt das Motorrad nun ganz ein, dadurch kommt sie vorne mittig durch, steht aber nicht mehr senkrecht zum Durchgang, sondern stark winklig in der Lücke. „Stopp“, ruft der Mann, „hinten passt das nicht vorbei“. Die Frau wirft einen knapp 1 Sekunde kurzen Blick nach hinten, ruft „das passt“, gibt leicht Gas und Rrrraatttsch hat die Kunststoffverkleidung des Hecks einen ordentlichen Kratzer von dem rostigen Rohr der Schranke ab bekommen. Der Mann flucht, die Frau sagt ihm, das sei doch nicht so schlimm. Fast perfekt ist sie durch die Lücke gefahren. Eben nur fast.

An die mitlesenden Frauen: der Mann flucht natürlich nicht nur, sondern ihm gehen noch folgende Gedanken durch den Kopf: Mit zerkratzter Verkleidung am Motorrad kann er nicht herumfahren, nicht er!, also muss diese getauscht werden. Er geht schnell im Kopf durch, ob er das selber wechseln kann, was in diesem Fall gedanklich bejaht wird und er geht in Gedanken schonmal durch, welche Teile er dafür alles lösen muss und wie viele Stunden Arbeit das sind. Dann kalkuliert er gedanklich, was das Neuteil kostet, 300-400 €, der Händler kennt ihn aber schon, also kommt er schätzungsweise mit 300 € davon. Und dann teilt er diesen Betrag gedanklich durch die Anzahl der Liebesakte (zu mindestens die, die es wert waren). Und so wird stumm ausgerechnet, was ihn jetzt wieder jedes einzelne Schäferstündchen gekostet hat mit diesem Weib. Gab es viel, regelmässigen und guten Sex, dann wird er die Wut in sich hineinfressen, und das Weib nicht weiter für dieses nur fast perfekte Verhalten ausschimpfen. War das nicht der Fall, ärgert der Mann sich um so mehr über sich selber, was er sich hier wieder für ein teuren Fisch geangelt hat und dass das in Zukunft nicht besser werden wird. Manche ziehen daraus sofort die Konsequenzen. So denken Männer.

Jungs, also Männer bis Anfang 20, denken nicht so. Die sind wirklich verliebt, die lassen Misses Fast-Perfekt alle ihre Fehler durchgehen. Aber die werden auch nicht von den Weibern beachtet, da so mittellos, dass sie sich nichtmal ein Motorrad neben der eigenen Wohnung leisten können.

3) Ein Mister Perfekt hat sich alles perfekt aufgebaut: im Job hat er nach wenigen Wechseln gefunden, was er suchte. Jetzt wird er täglich herausgefordert und eben dadurch gebraucht, wodurch ihm seine Anstellung auch in Zukunft sicher ist. Das Haus mit Garten ist gebaut, also jedenfalls alles auf Kredit finanziert. Die perfekte Frau ist gefunden, nicht irgendeine, sondern seine grosse Liebe. Die perfekte Frau für drei süsse Kinderlein. Und sie hat sie ihm auch noch gut erzogen, wofür sie dafür niemals Arbeiten gehen musste, perfekt! Als perfekte Familie zeigen sie sich gerne auf jeder Feier, die irgendwo im Freundeskreis ansteht, und jeder beneidet sie um diese 3 perfekten blonden Jungs, so freundlich, so perfekt domestiziert, ääähh, brav und selbstlos, geradezu perfekt! Na ja, fast, denn in der schönen Eigenheimsiedlung wurde der Frau scheinbar etwas langweilig. Und so gab es irgendwann einen anderen und sie liess sich scheiden. Die Jungs sind schon alt genug selbst zu entscheiden, wo sie ihre Freizeit verbringen und sind fast nur bei ihm. Also ganz so schlecht ist es nicht. Aber formal gehören sie zur Frau und sie bekam auch das Haus. Während er an der perfekten Lebenseinrichtung werkelte, konnte Misses Fast-Perfekt nicht mithalten. Als dennoch stolzer Vater lächelt er, wenn er seinen wohlgeratenen Jungs durchs blonde Haar streicht, gut erzogen sind sie ja immer noch. Und die neue kleinere Mietwohnung, die zu finanzieren die Frauen vom Gericht ihm geradeso noch gelassen haben, ist zwar nicht perfekt, aber fast. Den gemeinsamen schönen Lebensabend mit seiner Frau im selbst geschaffenen Eigenheim, in dem man zusammen die Sommerbetreuung der Enkel vorbereitet, wie er es sich perfekter Weise vorgestellt hat, wird es aber nicht geben. Was seine Ex-Frau im Leben schuf, war eben nur fast-perfekt.

4) Die Frau kocht sich einen Tee. Dazu wird der Wasserkocher bis unter den Rand mit kalten Wasser gefüllt. Nachdem alles erhitzt ist, wird ein ganz kleiner Teil in die Tasse für den Tee gegossen. Der Rest des heissen Wassers verbleibt im Wasserkocher, um einfach auszukühlen. Das war jetzt Energieverschwendung, das ist nicht ganz perfekt, dafür ist der Tee aber gelungen. Schon fast perfekt!

Auch muss frau nicht Gas geben, wenn sie auf eine rote Ampel zufährt, sie könnte die Karre einfach rollen lassen. Perfekt, also ein Ziel nicht nur zu erreichen, sondern auch ohne unnötigen Energieeinsatz zu erreichen, ist das nicht. Na gut, am Ende hat sie ja an der roten Ampel angehalten, egal wie viel Gas sie vorher gegeben hat, also wo ist dein fucking Problem? Es war eben nur fast perfekt!

Entweder man macht etwas richtig, oder nur fast. Fast richtig ist aber meistens falsch, und nicht genauso gut wie richtig.

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