• 25.11.2022

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Safe Digga!

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Gastautor: eisfreak

Da steht sie vor der Haustür, mit ihrer Mutter und dem Freund der Mutter. Ganz schön drall geworden, denke ich mir. Das sind ja mal ordentliche Corona-Pfunde! Es geht um die erste Wohnung. Wir kennen uns von einer Sportart, wo ich viele Jugendliche und junge Leute kennengelernt habe. Ich weiß nicht mal mehr ihren Namen, aber Namen sind in dieser Geschichte nicht wichtig.

Es geht um einen Einblick in die aktuelle Version der Jugend. Nicht, um diese an den Pranger zu stellen, sondern um zu verstehen, was aktuell gerade passiert. Eins vorweg: die Jugend ist nicht der Böse in der Geschichte. Sie sind das Opfer. Ich bin jeden Tag dankbarer, in den 70ern aufgewachsen zu sein. In einer analogen, direkten Welt. Einer Welt, wo man unbefangen eine junge Frau „Fräulein“ nannte. Einer Welt, in der es mal einen Dicken oder eine Dicke pro Klasse gab, und ein BMI von 35 nicht das neue „Normal“ war. Eine Welt mit Holzhacken, Feuermachen, Sonntagskuchen aus dem heimischen Backofen, Eintöpfen, für die ich heute töten würde, mit Vätern, die noch Väter waren und Mütter, die noch Mütter waren.

Unser Ziel war, möglichst schnell erwachsen zu werden. Wir wollten zielstrebig zunächst ein Motorrad, dann ein Auto haben. Es galt als undenkbar, keinen Beruf zu haben. Sitzenbleiber wurden schon als absolute Außenseiter angesehen. Wer dumm war, hat dann wenigstens wie ein Bekloppter Sport getrieben, um zu zeigen, dass er wenigstens nicht auch noch faul ist.

Unsere Antiheldin, nennen wir sie Lena, hat nun eine größere Einzimmerwohnung bezogen. Ein Doppelbett steht neben einem ausladendem Klappsofa, das gegenüber dem Flachfernseher steht. Der Kühlschrank ist doppelt so groß, wie der, den wir früher als 5-köpfige Familie hatten. Mit dem neuen Handyvertrag musste es natürlich ein aktuelles iPhone sein – ich habe ein billiges Plasteteil für ein Fünftel des Preises –, aber ich bin ja als Arbeitssklave auch am falschen Ende der Nahrungskette.

Es sieht grundsätzlich aus, als hätte ein amerikanischer Tornado einen Umweg durch die Wohnung genommen. Die Küche ist größtenteils nicht benutzbar. Muss sie ja auch nicht, man bestellt ja bei Dominos oder holt was bei Mäcces. Obwohl das schon richtig „Action“ bedeutet im Leben von Lena, weil man da ja einen der zahlreichen Orbiter erwischen muss, die für solche Gefälligkeiten zur Verfügung stehen. Die Freizeit findet größtenteils auf dem Sofa oder dem Bett statt, wo der Fernseher einfach in Dauerschleife läuft. Der ist quasi das moderne Lagerfeuer. Aber da schaut man gar nicht richtig hin, die Instagram-Stories sind ja interessanter. Dumm schaut man dann nur, wenn der Energieversorger die Rechnung schickt. Wo kommt nur der Stromverbrauch her?

Da man es nicht schafft, bis 21 Uhr beim Discounter um die Ecke einkaufen zu gehen, werden der Energiedrink und der Happy-Hippo-Kindersnack über Flink geordert. Flaschen und Dosen schafft man keinesfalls zeitnah weg, sondern erst, wenn die IKEA-Tüte rammelvoll ist. Da muss natürlich wieder jemand herantelefoniert werden, der Madame mit dem Auto zum Einkaufen fährt. Gleichzeitig ärgert man sich über die Extra-Pfunde, aber auf die Idee, in den Alltag mehr Laufstrecken einzubauen, kommt man natürlich nicht. Wenn ich überlege, wohin wir in der Freizeit überall hingerannt oder mit dem Fahrrad gefahren sind … Für die Kilometer würde man heute 50% des Krankenkassenbeitrages rückerstattet bekommen.

Die Mutter kann ich auf den ersten Blick so richtig nicht leiden. Das Blondchen braucht gar nicht versuchen, bei mir die übliche Manipulationsstrategie zu fahren. Keine Chance. Aber ich bin ein wenig schockiert.
Was wird aus Kindern, die so eine Mutter haben? Denen klar ist, dass sie nur das Ergebnis eines geplatzten Kondoms sind? Die nie auch nur im Ansatz ein einigermaßen intaktes Familienleben kennenlernen konnten? Die als junger Teenie in die Jugendpsychiatrie abgeschoben wurden, weil die Mutter überfordert war und ihrer Tochter die Schuld gibt, dass ihr Leben im Arsch ist? Hättest DU mal nicht solche Probleme gemacht. Deinetwegen ist aus mir nichts geworden. Kein Scherz, ich habe da sozusagen Quellenstudium betrieben, ihr macht Euch keine Vorstellung, WIE kaputt die alle sind.

Das erste Mal intaktes Familienleben erlebt Lena, als wir mal einen Schwung Kumpels und Kumpelinen, die wir alle von dem einem sportlichen Hobby kennen, zu uns einladen und ich für alle koche. Da wird beim Essen an einem richtigen Tisch gesessen, mit Besteck und Serviette, wie es sich gehört. Dieses Gefresse in Kauerhaltung am Couchtisch ist für mich allein genommen schon ein Beweis für den unabänderlichen Niedergang der Menschheit. Es gibt Essen mit Nährstoffen, ohne Mikrowelle und ohne Tiefkühlprodukte. Ja, das macht richtig Arbeit. Das gab es bei uns, also in meiner Herkunftsfamilie, über viele Jahre JEDEN EINZELNEN TAG. Das ist Erziehung im Sinne von Vorleben, da durften die Eltern auch streng sein – die hatten jedes moralische Recht dazu.

Rückblende. Meine Heimatstadt wird ohne Vorwarnzeit von einem Hochwasser biblischen Ausmaßes getroffen, alle kämpfen gegen die unerbittlichen Fluten. Ein Lkw Sand ist in 20 Minuten versackt – mitten drin Jugendliche mit ihren Sneakern und Hoodies. Die rackern, als gäbe es kein Morgen. Als hätten die ihr ganzes Leben auf diesen einen verdammten Moment gewartet, wo es mal um was geht, wo Handeln einen Unterschied macht.

Das ist das Problem an der ganzen Sache. Das, was man „Selbstwirksamkeit“ nennt, kommt nicht zur Wirkung. Man kann mit 19 auf Hartz IV zu Hause fett gefressen auf dem Sofa chillen, in einer Wohnung, die ich mir als arbeitender Unterhaltszahler auch gerade so leisten kann, und bekommt bis 23 Uhr wortwörtlich die gebratenen Tauben in den Mund geliefert. Wozu arbeiten gehen? Was wäre dann besser? Kann man sich dann wirklich deutlich mehr leisten? Im Grunde ist Lena bereits jetzt, arbeitslos und ohne Berufsausbildung, dort angekommen, wo man früher erst mit harter Arbeit hingelangt ist.

Lena kommt aus der Jugendhilfe raus – ohne Schulabschluss. Den holt sie irgendwo in einem „Institut“ nach, aber so richtig lernen die da nichts. Im Grunde bekommt da jeder das Gnadenbrot in Form einer besseren Teilnahmebestätigung. Die, die das durchführen, leben von dem System, denen ist es irgendwo egal. Der sogenannte „Unterricht“ besteht eigentlich zu großen Teilen aus Praktika. Da klappt natürlich gar nichts. Mit dem Stress in den Praktikumsbetrieben kommt sie gar nicht klar. Irgendwo 10 Uhr vormittags auf der Matte stehen ist schon zu viel verlangt.

Wenn der Plan der Eliten darin besteht, uns zu verdummen und zu manipulierbaren Konsumsklaven zu machen, dann sind die leider recht erfolgreich darin. Was Repression und Verfolgung nicht geschafft haben – den freien Willen der Leute zu brechen -, das haben Netflix, Lieferheld und Burger King hervorragend erledigt. Alles ist nur noch Dreck. Das Essen ist Dreck. Die Filme und Serien sind Dreck. Das Gelaber der jungen Leute ist nur noch Dreck. „Safe Digga, chill mal, ich fühl’ das, ist voll gringe, was geht Alda“.

Generationen von jungen Leuten haben gelernt, wie man Essen kocht, Kleider näht, Wasserrohre verlegt und Autos repariert. Ja, die gibt es auch noch, und da bin ich sogar auf richtig fitte Exemplare gestoßen. Die kamen größtenteils aus Dörfern und Kleinstädten, da wo Flink nicht hinliefert.

Kommen wir zu meinem Lieblingsthema. Jeder hat und „ist“ irgendwas, trägt das wie eine Monstranz vor sich her: traumatisiert, psychotisiert, hypersensitiv – jeder zweite hat mehr Triggerpunkte als die Milchstraße Sterne. Das normale Leben zu bewältigen, ist schon der blanke Horror. Was ich da alles kennengelernt habe: Sapiosexuell, Demisxuell, Neurodivers, es wird immer mehr. Jeden Tag steht ein junger Mensch auf und ergoogelt sich eine wasserfeste Diagnose. Wenn die Ärzte nicht mitspielen, werden die natürlich kurzerhand für inkompetent erklärt. Überhaupt hat ja jeder von der Jugend nach 20 Minuten YouTube mehr Ahnung von allem als langjährige, erfahrene Fachleute.

Nach längerem Überlegen habe ich mein „Schmerztheorem“ entwickelt: Wir Menschen sind Kämpfer! Wir müssen rackern, leiden, bangen und hoffen, sonst fehlt das Erfolgserlebnis. Da die moderne Welt in ihrer Hardcore-Variante alle Gefahren aus dem Weg räumt und alle Rauigkeiten und Unebenheiten sorgfältig softet, fehlt das Erlebnis des Kampfes. Ein Pferd einreiten! Einen Stier einfangen, töten und schlachten! Einen Baum fällen – mit der realen Chance, erschlagen zu werden! Wir haben uns totgesiegt, auf dem Weg zu einer besseren Zukunft. Aber der Schmerz, ein gewisses Schmerzquantum gehört zum Leben dazu, notfalls ritzt man sich oder schleppt sich mit 20 schon übergewichtig und schnaufend durch die Welt. Körperliche Anstrengung wurde abgelöst durch Psychosen.

Ja, wie stand man früher als glänzender Held da, wenn man blutend und völlig erschöpft aus dem Wald kam! Wie war einem der Beifall der Umgebenden sicher, wenn man seine heldenhaften Verletzungen präsentierte? Lässig, ja nicht zu wehleidig. Klaffende Wunden wurden als kleiner Kratzer abgetan, die einen echten Mann nicht davon abhielten, am nächsten Tag wieder Heldentaten zu vollbringen.

Das alles kann die Jugend nicht mehr erleben. Zu gefährlich, zu aggressiv, zu was weiß ich. Die Energie wird in destruktives Verhalten umgeleitet. Gefahrenkompetenz wird so nicht mehr erworben. Erlebnisse gibt es nur noch in den Insta-Stories. Viel zu gefährlich. Surrogate, künstliche Spielwelten haben die analoge Welt ersetzt.

Genug geschimpft. Wie kann es weitergehen?

Wer kann, gebe der Jugend Chancen! Zumindest denen, die wollen und mitmachen. Für alle anderen kann man nur hoffen, dass sich die Umstände wandeln und die dann zeigen können, was eigentlich in ihnen steckt. Bis dahin: seid streng zur Jugend, aber im Herzen liebevoll. Geht mit Euren Neffen irgendwohin, wo man Feuer machen kann. Schaut Euch gemeinsam auf YouTube an, wie man beim BMX das Tretlager auswechselt. Lasst Euch auch mal was von jungen Leuten erzählen – wen jemand was weiß oder kann, ist das Alter doch egal. Schimpft NIEMALS in deren Gegenwart auf die blöde Politik, streicht jedwede Gemeinplätze aus eurem Wortschatz! Viel beobachten. Das, was ihr von der Jugend wollt, vorleben!



Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe

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