• 21.04.2024

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Alle Jahre wieder (3)

lbike

» Artikel vom

Gastautor: Santerra

Alle Jahre wieder kommt die Zeit, in der die liebe Familie aus allen Himmelsrichtungen zusammenkommt, um gemeinsam das Fest der Liebe zu begehen. Viele nennen es Weihnachten, auch wenn das aus Gründen der Rücksichtnahme auf viele unserer neuen Mitbürger ein für manchen in meiner Familie vielleicht etwas überholter Begriff sein mag. Begangen wird dieses im Neusprech genannte Lichterfest meist im städtischen, ca. 300qm großen Einfamilienhaus von Familie Links.

Autos, Gäste und der Staat

Die Familie Grün hat auch, ganz im Zeichen der Zeit, ihr Auto abgeschafft und ist auf ein umweltfreundliches E-Lastenbike umgestiegen (ohne Witz, ich verarsche Euch nicht!). Es ist toll, nicht mehr auf die umweltschädliche Drecksschleuder angewiesen zu sein! Man spart ja so viel Geld ein und überhaupt, Individualverkehr sei heute ja sowieso nicht mehr zeitgemäß, und strenggenommen ist das in Anbetracht der Umwelt- und Ressourcenlage eigentlich hochgradig asozial, noch auf ein Auto pro Familie oder gar ein Auto pro Person im Alltag zurückzugreifen. Der öffentliche Nahverkehr ist das Allheilmittel. Wenn man sich mal ansieht, wie groß der typische Aktionsradius ist, so rechtfertigt das gar kein Auto. Außer natürlich, man ist aus besonderen Umständen heraus zwingend auf ein Fahrzeug angewiesen. Und die Dame des Hauses ist ja bekanntermaßen gerade in besonderen Umständen.

Also wird das im Frühling abgemeldete Familienauto dann doch nach den Feiertagen wieder angemeldet werden. Schließlich kann keiner von ihr verlangen, dass sie schwanger die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Alleine die Bahnreise zum alljährlichen Lichterfesttreffen war für sie schon geradezu eine Tortur. Viel zu unflexibel. Sie kann ja nicht einfach 30 Minuten an der Bushaltestelle oder am Bahnhof stehen, in ihrem Zustand. Und die Krankheiten, die alle gerade herumgehen. Was, wenn sie sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln mit Corinna ansteckt und dadurch ihr ungeborenes Kind gefährdet? Grade jetzt, wo doch eine neue, noch gefährlichere und noch ansteckendere Variante befürchtet wird? Nein, diesem Risiko würde sie sich und ihren Kindern nie aussetzen. Meine Frage, ob die Sache mit dem Auto vielleicht auch mit dem jahreszeittypischen schlechten Wetter zu tun haben könnte, wurde vehement verneint. Nein, also damit hat das gar nichts zu tun! Und überhaupt solle ich mal ruhig sein. Wer sich in der heutigen Zeit ein 400 PS-SUV kauft, verstehe sowieso gar nicht, um was es geht. Ich bin auf jeden Fall ein Riesenumweltverpester und musste mir anhören, dass ich in meinem Verhalten sehr rückwärtsgewandt bin. Auf meinen Einwurf, dass es auch nicht gerade nachhaltig ist für eine einzelne Familie, ein 280 Quadratmeter Haus zu bewohnen und dann auch noch die alten Mieter in Zeiten von Wohnraumnot und wirtschaftlich hohen Risiken zu kündigen, wurde eingeworfen, dass man da ja nicht alleine wohnt, sondern sogar extra noch notleidende Menschen aus einem Kriegsgebiet aufgenommen hat, und ich würde das sowieso nicht verstehen. Naja, ich schiebe es mal auf die Hormone.

Apropos Auto. Wenn Familie Grün ihr Auto abschafft, so kann Familie Links natürlich nicht hinten anstehen. Ihre Patentlösung für das Mobilitätsproblem heißt Carsharing. Und so hat man die eigene Familienkarre verkauft und shared nun freudig mit einer anderen LiGrüGut-Menschenfamilie aus der Nachbarschaft, die, am Rande bemerkt, auch über ein sehr großzügiges Einfamilienhaus verfügt. Also zumindest am Anfang war es Sharen. Mittlerweile ist es eigentlich nur noch Streiten. Es wurde zwar zu Beginn abgemacht, dass die Nutzung fair erfolgt, und nur wenn das Fahrzeug dringend gebraucht wird, aber das ist ja auch immer Auslegungssache. Die Kinder spielen Fußball und die Töchter müssen pünktlich zur FFF-Demo in der Innenstadt ankommen. Der Wocheneinkauf ist auch nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen, und überhaupt. Es gibt einfach Situationen, da macht es absolut Sinn, ein Auto zu nutzen. Auch wenn man in einer Grossstadt wohnt. Nachdem das Auto dann auf einmal kaputt war und es keiner gewesen sein will, ist die Lage wohl total eskaliert, und jetzt hat man gar kein Auto mehr. Da kam ich grade recht. Man lehnt meine Benzinschleuder und Penisverlängerung zwar grundlegend ab, aber um Material von A nach B zu transportieren und für das Lichterfest einzukaufen, hat man mein Fahrzeug dann doch notgedrungen akzeptiert.

Auch Familie Links hatte natürlich notleidende Gäste aus einem Kriegsgebiet aufgenommen. Auch hier möchte die Dame des Hauses nicht hinten anstehen. Diese Gäste waren auch viel besser als die Gäste von Familie Grün. Diese Gäste hatten sogar Abitur und studiert! Mittlerweile sind aber auch diese Gäste ausgezogen. Kurz nachdem alle Anträge durch waren, sind sie einfach so gegangen. Leider musste man Familie Links auf dem Amt auch mitteilen, dass sie kein Geld im Nachhinein für ihre Gäste bekommen werden. Somit bezahlen sie jetzt ein Jahr Gastversorgung in Vollpension aus eigener Tasche. Strom, Wasser, Lebensmittel, einfach alles. Das gefährdet natürlich den Jahresurlaub, was der Dame des Hauses gar nicht gefällt. Mein Einwurf, dass sie doch spätestens jetzt einsehen müssen, dass der Staat sie nur verarscht hat, wurde damit gekontert, dass sie den Antrag zu spät und auch noch falsch eingereicht haben. Und im Nachhinein gibt es eben nichts. Es sei ihre eigene Schuld. Nun sind sie halt da, die hohen Kosten. Ich könnte das aber natürlich nicht nachvollziehen, schließlich lebe ich in einem der kapitalistischsten Länder der Welt und denke somit auch nur ans Geld. Meine Gegenfrage, ob es sein kann, dass sie einfach nicht zugeben will, dass ihr Weltbild grade Risse bekommt und der Staat sie so richtig schön verarscht hat, wurde energisch zurückgewiesen.

Fortsetzung folgt …



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