• 08.12.2021

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Eine Scheidung in New Jersey muss kein Todesurteil sein

divorce

» Artikel vom

Gastautor: Lerby

Als junger Springer glaubte ich an die Liebe, vor allem, dass Frauen zu Liebe nicht nur fähig, sondern bestimmt seien. Verliebt, verlobt, verheiratet. Wir lebten in Europa, für sie als Nordamerikanerin ging das schon gar nicht - wie es auch Prinz Dummdödel vor Kurzem erfahren musste. Und so zogen wir bei erster Gelegenheit nach New Jersey. Ich war mir sicher, dass sie jetzt nicht mehr nur noch zu Hause rumsitzen, sondern endlich Kontakte finden, pflegen sowie Hobbys nachgehen würde. Arbeiten brauchte sie nicht, hab‘ ich ja alles gemacht, 10-12 Stunden am Tag.

Ich fand mich toll als netter Versorger und Vorbild für jeden Bernd. Meine Enttäuschung, meine Wut und zuletzt tiefe Verzweiflung über das besenartige Benehmen meiner Frau, die nie Freude empfand oder verbreitete, immer nur meckerte, nie was unternahm, keine Ziele hatte und immer nur fetter wurde, habe ich mit Karriere und dem Ausbau einer eigenen Firma verdrängt. Acht Jahre lang. Das Haus sah immer aus, als wäre eine Granate eingeschlagen. Ich wusste damals nicht, was eine Horderin ist. Nicht heilbar. Abends, nach einem harten Arbeitstag, dröhnte der Fernseher, das Essen war eigentlich ungenießbar, sie hatte nichts zu sagen und war mies drauf.

Klarer Fall für mich Volltrottel - jetzt musste aber ein Kind her. Sie wird bestimmt eine prima Mutter, sie hat dann ein Ziel, ein Projekt, einen Sinn des Lebens! Ein Jahr später war das Kind da. Dann fiel die Frau komplett auseinander. Im Haus war kein Stück Teppich mehr zu sehen, weil alles zugemüllt war. Wenn ich mich abends aufs Sofa setzen wollte, musste ich die Waschkörbe, die dort standen, aufeinanderstapeln. Wut und Verzweiflung wurden immer schlimmer, es gab nur noch Krach mit der Alten, aber sie hat sich Null verändert. Einmal fuhren wir zu IKEA, Regale kaufen, um etwas freien Platz zurückzugewinnen. Das erste baute ich auf, am nächsten Wochenende hatte sie die beiden anderen noch immer nicht gemacht. Ich fragte etwas angefressen, warum denn nicht? Und bekam einen Salzstreuer an den Kopf.

Sechs Monate später machte mir eine junge Kollegin schöne Augen. Ich nahm die Gelegenheit und die Kollegin beim Schopf, schrubbte sie ordentlich durch und legte es darauf an, dass die Frau es rausbekam - auch wenn mir dieser Aspekt erst Jahre später klar wurde. Fremdgehen war mein Ticket aus dieser grausamen Ehe.

Eines Morgens fand sie es raus und weckte mich mit einem Schlag ins Gesicht (war so halb sechs). Sie hatte eine eindeutige E-Mail abgefangen. Ein paar Tage später zog ich aus und blühte erst mal auf. Nach der Arbeit kam ich in meine aufgeräumte Wohnung, konnte endlich gut für mich kochen nach zehn Jahren Fraß, spazierte abends am Strand, schaute mir Pornos oder Spielfilme mit dem Projektor an und schrubbte die junge Kollegin eine Zeitlang durch. Die Ex lebte keine zwei Kilometer entfernt und so konnte ich meine Tochter vier- bis fünfmal die Woche besuchen. Jetzt passierten drei Dinge.

(1) Die junge Kollegin entpuppte sich als Borderlinerin. Nach drei Monaten war die so schlimm wie die Ex. Ich dachte, ich bin doch nicht bekloppt - vom Regen in die Traufe? Weg mit der! Sie stemmte sich noch acht Wochen dagegen, dann war der Spuk vorbei. Das war mein erster wichtiger Einblick in die echte Psyche der Frau. Was zehn Jahre Ehe nicht schafften, erledigte eine Bordi in drei Monaten.

(2) Ich zerbrach fast an Schuldgefühlen gegenüber der Tochter, sagte mir aber immer „Gott sei Dank sieht die nicht, wie die Ex und ich uns die Augen auskratzen. Das wäre tausendmal schlimmer!“. Mein Freundeskreis hat mich entscheidend über Wasser gehalten. Nach so zwei Jahren verbrachte sie immer mehr Zeit mit mir, lebte damit zeitweise in geregelten Verhältnissen und nicht in einem Trümmerhaufen. Spätestens da waren meine Schuldgefühle beseitigt.

(3) Das Scheidungsrecht in New Jersey, ich wusste nichts davon, auch nicht, als die eigene Ehe klar zu Ende war. Ich dachte, das wird schon vernünftig geregelt werden. Aber die Ex kannte sich damit sehr wohl aus. Sie hatte monatelang eine Anwältin, von der ich nichts wusste, um mein Ausquetschen strategisch zu planen. Da wurde die Ehefrau und Mutter des gemeinsamen Kinds zum schlimmsten Feind, dem man je begegnete. Was Anwältin und Ex planten war, die Ehe noch 18 Monate in die Länge zu strecken, damit man die zehn Jahre vollkriegt. Denn dann galt, gemäß Rechtsgrundlage in New Jersey, das Mindestmaß von zehn Jahren Unterhalt für die Ex mit sehr unappetitlichen monatlichen Beträgen. So kam es dann auch. Die Anwältin verlangte als Unterhalt mehr als mein Nettogehalt, um jeden Konsens zu vermeiden und das Ding rauszuziehen. Mich nervte die Verzögerung nur, ich wusste ja nicht, dass sie Methode war. Ich hatte meine Firma zu leiten und war nicht unerheblich mit der Erziehung beschäftigt. So verstrichen die Monate und die Falle schnappte zu. Als wir vorm Richter standen war klar, dass mir monatlich keine 20% meines Nettogehalts bleiben werden.

Damit war ich eigentlich am Ende. Ich hatte in der Endphase auch einen Anwalt, der jedoch nichts mehr tun konnte. Familienrichterinnen in New Jersey sind so unerbittlich, wie anderswo auch, wenn nicht noch schlimmer. Und wer in den USA zu wenig Unterhalt zahlt, wandert in den Bau. Dort türmen sich die Schulden auf, die Männer wohnen dann in ihren Autos und begehen nicht selten Selbstmord. Auch wenn man weniger Gehalt einfährt, auf den Unterhalt hat das keinen Einfluss. Und das war meine Chance, denn bei Gehaltsanstieg bleibt der Unterhalt konstant. Rechtsgrundlage ist, dass die Ex keine Einbußen in der Lebensqualität hat, aber auch keine Verbesserung. Meine einzige Chance waren Weiterbildungen und Einstieg in eine Branche, die besser zahlte. Gesagt, getan. Fünf Jahre später hatte ich mein Nettogehalt verdoppelt. Nach vielen Jahren konnte ich endlich wieder mit Würde leben und meine Schulden abbauen. Ziemlich genau nach zehn Jahren, als der letzte Unterhalt bezahlt war, war ich schuldenfrei und konnte durchstarten. Die Ex bekam im selben Monat den letzten Unterhalt und ihre erste Gehaltsabrechnung als Lehrerin. Sie wog da 140 kg und hatte vier Katzen. Jetzt lebt sie in einem kleinen Haus mit ihrer Mutter, die nun die Zahlknechtin ist, noch immer mit mehreren Katzen.

Wie ihr seht, ich habe alle Fehler gemacht, die dem MM-Leser nicht passieren werden. White Knight, an die Liebe geglaubt, falscher Stolz, Schuldgefühle, der Glaube, eine Frau reparieren zu können, unbedarft in den Kampf meines Lebens gehen, und, und, und.

Was hätte ich besser machen können? Nach Texas ziehen, dort nach zwei Jahren den ersten Wohnsitz anmelden und nach texanischem Scheidungsrecht durchziehen. Das hätte mich einen Bruchteil gekostet. So hat es ein Kollege erfolgreich gemacht. Oder, was ein anderer Kollege jetzt gemacht hat. Einen auf mental labil machen, vier Wochen nicht zur Arbeit gehen, sich rausschmeißen lassen, ein Jahr warten und dann die Scheidung einreichen. Der wird sehr billig wegkommen.

Was kann ich den Jungspunden mit auf den Weg geben?

(1) Eine Ehe ist ein Vertrag zwischen Dir, ihr und dem Staat, wo man sich scheiden lässt. Heiratet nicht, denn nahezu jeder Staat in der westlichen Zivilisation drückt der Ehefrau damit eine große Kanone in die Hand, die sie jederzeit benutzen kann.

(2) Wenn Ihr merkt, wie Scheiße Eure Ehe ist und Ihr dies hier gelesen habt, macht Euch sofort mit dem Scheidungsrecht vertraut, nehmt einen Anwalt, lasst Euch beraten, plant, baut vor, soweit es geht, und drückt ab, um da so ungeschoren wie möglich rauszukommen.

(3) Wenn Ihr zu lange wartet, wird sie Euch um Monate voraus sein und alle Munition voll in Euch reinballern. Habt da keine Rücksicht, haltet voll dagegen und kämpft mit allem, was Ihr habt. Euer Leben kann davon abhängen.

(4) Heiratet nicht. Macht kein eheähnliches Verhältnis. Es wird Euch ruinieren und im schlimmsten Fall das Leben kosten.

(5) Eine Bordi ist lebensgefährlich. Finger weg! Die Kosten-Nutzen-Rechnung einer Bordi ist so gut wie die einer Heroinabhängigen.

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