• 01.10.2022

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Die Weichen neu stellen

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» Artikel vom

Gastautor: Steffen

Zugegeben, auch ich steckte im Hamsterrad: Frau, zwei Kinder, zwei Autos, ein Haus und Rechnungen über Rechnungen. Ich habe fast rund um die Uhr gearbeitet, damit alle glücklich waren und auf hohem Niveau leben konnten. Nach außen waren wir die glückliche Familie und alle haben mich um meine Frau beneidet, die selbst nach zwei Kindern noch erstaunlich begehrenswert wirkte. In Wirklichkeit haben wir nur noch nebeneinanderher gelebt, jeder erfüllte seine Bedürfnisse und ich bezahlte den ganzen Spaß.

Das wäre ja alles OK gewesen und mir war es ziemlich egal, wohin das Geld floss, das ich Monat für Monat erwirtschaftete. Wenn die Kids glücklich sind, empfindet schließlich jeder Vater so etwas wie Stolz. Wenn die Frau sich hübsche Kleider kaufen kann, erfreut auch er sich an ihrem Anblick. Männer brauchen ja recht wenig, um zufrieden zu sein.

Zufriedenstellender Sex sollte allerdings dazugehören und genau das war das Problem. Das, was zwischen uns als Sex ablief, habe ich einmal als „Onanie am lebenden Objekt“ bezeichnet: Sie kam ins Bett. Sie legte sich hin. Sie wartete und signalisierte Bereitschaft. Sie ließ sich ausziehen und in Position bringen. Sie war lustlos trocken und ich musste mir selbst den Weg freispritzen. Also benutzte ich mein Kopfkino und arbeitete mich an ihr ab. Danach verschwand sie im Bad und das Thema war abgehakt. Bis zum nächsten Mal. Vielleicht in einem Monat.

Dass ich irgendwann keine Lust mehr auf Selbstbedienung hatte, wird jeder verstehen können. Aber was sich mir bot, war alles andere als die ganz große Offenbarung. Da gab es die Schlampen, die sich artig bedankten, wenn du sie großzügig beschenkst. Kaufe ihr das unglaublich schicke Kleid in der unverschämt teuren Boutique und sie wird dich danach in ihr Bett einladen. Führe sie schick aus und sie kommt mit sauber rasierter Muschi zum Date, damit du danach richtig Spaß mit ihr hast. Die Mehrzahl waren allerdings eher abgelegte Ehefrauen. Sie wollten eigentlich nur einen neuen Versorger und ihr Outfit waren meist so banal wie das, was sie für Sex hielten. Am interessantesten waren noch die jungen Dinger und von denen gibt es mehr, als ein alter Hase gemeinhin glaubt. Sie stehen zwar nicht wirklich auf alte Männer wie dich, sind aber glücklich, wenn du mit ihnen shoppen gehst. Und sie geben sich richtig Mühe, um sich danach bei dir zu bedanken.

Insgesamt war mein Ausflug in den Mösenmarkt eher ernüchternd. Aber er hat durchaus zu Erkenntnissen geführt, über die ich vorher nicht verfügte: Natürlich will auch eine Frau Sex. Eine Frau, die regelmäßige Orgasmen erlebt, kommt normalerweise erkennbar entspannter und ausgeglichener daher. Aber eigentlich ist Sex bei Frauen eher ein Mittel zum Zweck. Sie wollen nicht einfach nur den Schwanz, das Lustgefühl, den Orgasmus. Sie wollen den ganzen Kerl, ausschließlich und mit Haut und Haaren.

In unserer ausgeprägt materialistischen Zeit kommt dazu noch eine ganz nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung. Was habe ich von ihm? Welche Vorteile bietet er mir? Wie viele Emotionen muss ich investieren? Was muss ich ihm geben und was kriege ich dafür? Fällt die Bilanz positiv aus, geht es Frau darum, ihn an sich zu binden und dafür ist ihr jedes Mittel recht. Das Repertoire reicht von der Herstellung von Abhängigkeiten bis hin zur klassischen Erpressung. Die Ehe macht abhängig, Besitz ebenso, vor allem aber Kinder.

Es hat zwar fast zwanzig Jahre gedauert, aber ich habe mich letztendlich aus meiner Ehe gelöst. Auslöser war dabei ein massiver Markteinbruch und die dadurch ausgelöste berufliche Insolvenz. Sie hat mich damals schwer mitgenommen. Aber sie hat sich auch als Glück im Unglück erwiesen. Eine Insolvenz muss nämlich für einen Selbstständigen alles andere als ein Supergau sein. Wenn er sich dabei einigermaßen geschickt anstellt, wird sich dadurch sein Leben nicht wesentlich verändern. Ganz im Gegenteil. Ich habe sie genutzt, um mich im Zustand der vermeintlichen Besitzlosigkeit nicht nur spottbillig scheiden zu lassen. Ich konnte auch Unterhaltsansprüche für immer abwehren und danke heute noch dem Anwalt, der mir diesen Lichtblick vermittelt hat.

Es erfüllt mich durchaus mit Genugtuung, dass meine Ex heute auf Staatskosten lebt und von meiner immer sprudelnden Kreditkarte nur noch träumen kann. Denn sie ist ja letztendlich selbst schuld an ihrer Situation. Wer selbst nichts auf die Reihe kriegt, und sich vom Einkommen und Wohlwollen eines Mannes abhängig gemacht hat, sollte sich eben mächtig anstrengen, um diesen Mann bei Laune zu halten. Wie gesagt, Männer sind eigentlich recht anspruchslos, und für eine einigermaßen ansehnliche Frau reicht es meist, etwas mehr Hingabe, Dankbarkeit und Begeisterung im Bett zu zeigen, um ihn zufriedenzustellen. Meine Ex wirkt auch noch heute durchaus attraktiv, aber sie hat ihre Chance verspielt und verdient kein Mitleid.

Es gibt natürlich Männer, die lernen einfach nichts dazu und stolpern zielsicher von einer Abhängigkeit in die andere. Am Ende sind sie alt, haben drei Ehen hinter sich und keinen Cent mehr in der Tasche. Zu ihnen wollte ich nicht zählen und habe daher ein paar Weichen gestellt, um den Zug des Lebens in eine neue Richtung zu lenken.

Nein, bei aller Freiheit, so ganz ohne Frau konnte ich mir das Leben nicht vorstellen. Auch zählte ich nicht zum Typ Jäger und Sammler und hatte keine Lust darauf, den Rest meines Lebens hinter den Weibern herzulaufen, nur um hier und da einen Fick abzugreifen. Ich wollte schon etwas Beständiges. Aber ich war nicht mehr bereit, mich dafür auf Abhängigkeiten einzulassen. Vor allem aber wollte ich ein junges und hübsches Weib, auf das ich noch viele Jahre Lust haben würde.

Da ich damals auf einer Insel am Rande der Republik lebte, habe ich mich vor allem in die Dating-Portale im Internet gestürzt, um die Frau für die zweite Hälfte meines Lebens zu finden. Das Angebot dort ist überwältigend. Aber wenn man es auf die eigenen Bedürfnisse herunterbricht, wird es doch sehr überschaubar. Ich war gut drei Jahre in der digitalen Welt unterwegs und habe das Ganze als eine Art Kompaktkurs in Sachen Frauen empfunden. Besser kann man es nicht anstellen, um in kürzester Zeit möglichst viele Frauen kennenzulernen und dabei eine sehr realistische Vorstellung von dem zu erhalten, was da draußen herumläuft und auf Männersuche ist.

Ich fand es so interessant, dass ich am Ende ein ganzes Buch darüber geschrieben habe: „Online-Dating, Fehler vermeiden, die andere schon gemacht haben“. Wer bei Amazon nach Steffen Wolfrath sucht, wird es finden.

Ich selbst habe, wie gesagt, drei Jahre lang gesucht und habe es am Ende aufgegeben. Mein Fazit: Andere Männer hatten meist gute Gründe, sich von ihrer Frau, Freundin, Partnerin oder Geliebten zu trennen. Die meisten der Frauen im Angebot hatten daher verdeckte Mängel, die ich mir nicht antun wollte. Wobei ich dazu sagen muss: Ich bewegte mich im Segment der über 40-Jährigen. Da findet man durchaus Exemplare, die noch Aufregung in der Hose auflösen. Aber trotz durchaus vorhandener Reize, mehr als ein Dutzend Ficks hat keine bei mir überlebt. Nicht weil ich weiterziehen wollte, sondern weil mir spätestens dann klar war, mit wem ich es zu tun hatte. Sie alle geben sich natürlich größte Mühe, wenn sie dich haben wollen. Aber sobald der erste Rausch in Gewohnheit übergeht, weiß Mann ziemlich genau, wie die Normalität aussehen wird. Und die ist dann größtenteils wenig inspirierend.

Was mich inspiriert hat, war eine junge Russin, die ich anfangs für zu jung gehalten hatte, um mir Hoffnungen zu machen. Sie war auch nicht wirklich einfach zu handhaben. Aber ich hatte noch nie so ursprünglichen, erdigen Sex wie mit ihr und ich habe sie schnell als ein begehrens- und liebenswertes Weib empfunden, bei dem meine innere Stimme nur eine Botschaft hatte: krall' sie dir, halte sie fest.

Es waren bestimmte Umstände, die mich veranlassen, sie weder in mein Haus zu holen, noch mit ihr zusammenzuziehen. Und es waren durchaus glückliche Umstände, wie sich später herausstellte. Ich gewöhnte mich nämlich recht schnell an einen Lebensstil, den ich noch heute als Ideal empfinde. Meine Arbeit ist mit dem positiven Umstand verbunden, dass ich sie von zu Hause ausüben kann. Leben und Arbeiten spielt sich daher für mich in denselben vier Wänden ab und das schon seit Jahrzehnten. Früher hatte ich eine Haus- und Ehefrau, die sich um den ganzen alltäglichen Kram kümmerte und mir die Freiheit gab, mich voll und ganz auf das zu konzentrieren, was Geld ins Haus bringt. Heute muss ich meine Wäsche selbst waschen, mein Essen selbst kochen und meine Wohnung selbst vom Staub befreien.

Das ist lästig, aber es ist der Preis der Freiheit, den ich gerne bezahle.

Allein zu leben hat nämlich ganz entscheidende Vorteile und auf die sollte ein freier Mann eigentlich nicht verzichten: Ich allein bestimme, wann ich aufstehe, wie lange gefrühstückt wird und wann die Arbeit beginnt. Ich mache Mittag, wenn ich Hunger habe und es in meinen Zeitplan passt. Ich sehe manchmal nachmittags einen Film und arbeite dafür bis spät in die Nacht. Bei schönem Wetter gönne ich mir auch schon mal einen persönlichen Feiertag und radle mit dem Bike durch die Gegend. Manchmal gehe ich früh ins Bett und lese noch etwas. Manchmal schreibe ich noch nachts um zwei an meinem Buch. Manchmal gucke ich einfach Fernsehen, wenn die besten Filme kommen. Nicht selten wird es draußen schon wieder hell und ich habe noch kein Auge zugedrückt. Anders gesagt: Ich mache, was ich will und wann ich es will. Und ich muss mich dafür mit niemand abstimmen und keinerlei Diskussionen führen.

Ich lebe also selbstbestimmt und das von Montag bis Freitag.

Die hübsche Russin gibt es immer noch. Sie hat auch noch immer ihre niedliche, kleine Wohnung in der Altstadt. Von dort aus geht sie ihrer Arbeit nach, denn ich habe sie nie zu meiner Hausfrau gemacht. Am Freitagabend hole ich sie ab und wir fahren ins Wochenende. Das findet meist bei mir statt, denn ich wohne da, wo andere Urlaub machen. Und es ist eine Zeit ohne Termine, ohne Abhängigkeiten und ohne nennenswerten Stress. Und selbst wenn wir uns in die Haare kriegen, dann weiß ich, dass ich spätestens am Montagmorgen wieder meine Ruhe habe.
Wir sind jetzt 12 Jahre zusammen und wie es aussieht, wird sich daran auch nichts mehr ändern. Mittlerweile haben wir nämlich beide das Alter, in dem man eigentlich nur noch seine Ruhe haben möchte. Wer mit sechzig allein ist, wird es vermutlich auch bleiben. Wer ein Weib an seiner Seite hat, mit denen man es aushalten kann, wird es dabei auch belassen. Manchmal fragt sie mich, ob ich sie nicht endlich heiraten will. Dann lachen wir und wissen, dass das eigentlich keinen Sinn ergibt. Denn es ist gut so, wie es ist.

Ich bin davon überzeugt, dass es der Abstand ist, der die Nähe schafft.

Ich habe in meinem Leben eigentlich nur zwei Arten von Paaren erlebt, die es über lange Zeit miteinander ausgehalten haben. Die einen sind Kreative, Handwerker oder Selbstständige. Sie sind ein eingespieltes Team, das an gemeinsamen Zielen arbeitet und von einem starken Wir-Gefühl geprägt werden. Die anderen sind beruflich stark engagiert, haben ein volles Leben und nur wenig Zeit füreinander. Die ist dann ganz besonders wertvoll und bildet den ruhenden Pol im Leben, den wir alle irgendwie brauchen.

Die Welt der verkorksten Beziehungen sehe ich eher unter Menschen, die gedankenlos durchs Leben gehen und mit denen man keinen Gedankenaustausch pflegen kann, ganz einfach, weil sie keine eigenen Gedanken haben, die sie mit irgendjemandem austauschen könnten. In meiner Dating-Zeit fielen viele Frauen durch mein Raster, weil ich mit ihnen kein Gespräch über irgendein relevantes Thema führen konnte. Die meisten waren schon am Telefon so inhaltsleer, dass ich nur noch daran dachte, wie ich das Gespräch möglichst höflich beenden konnte. Bei anderen war bereits nach dem ersten Date klar, dass ich es mit einer hübschen Hülle ohne Inhalt zu tun hatte. Einige wenige gaben durchaus interessante Gesprächspartnerinnen ab, waren aber leider als Frau nicht das, was meine Fantasie angeregt hätte. Und dann gab es noch solche, für die ich durchaus Sympathien entwickelt habe, die dann aber nur ein paar Wochen anhielten.

Man muss sich einfach klarmachen: Sex ist wichtig, und wenn Mann auf eine Frau nicht scharf ist, macht es auch keinen Sinn, sich mit ihr einzulassen. Aber dasselbe trifft auch zu, wenn sie nichts im Kopf hat. Denn letztendlich spielt sich nur ein Bruchteil unseres Lebens im Bett ab. Die restliche Zeit verbringen wir vor allem mit Kommunikation – mit gemeinsamen Entscheidungen, mit Gesprächen über das Leben an sich und mit dem Austausch übereinstimmender und gegensätzlicher Meinungen.

Als ich meine Russin kennenlernte, hatte ich schon genügend Erfahrungen mit der Weiberwelt gemacht, um die Sache einigermaßen illusionslos anzugehen. Sie war hübsch. Sie war sogar sehr hübsch. Aber ich habe mich gefragt, was wohl übrigbleiben würde, wenn wir beide älter würden und die körperliche Anziehung an Bedeutung verloren hätte. Würde es dann noch genügend Substanz für ein starkes Wir-Gefühl geben? Würde es mir Spaß machen, mit ihr alt zu werden? War da mehr als Aussehen und Anziehung?

Es ist übrigens nicht so, dass ein Mädchen einem möglichst gleichen sollte, um zueinander zu passen, also gleiche Denkweisen, gleiche Interessen, gleiche Gewohnheiten. Ich habe gelernt, dass Gegensätze viel spannender sind. Unterschiedliche Lebensinhalte bieten Gesprächsstoff. Aus unterschiedlichen Wissensgebieten kann man voneinander lernen. Unterschiedliche Vorlieben können das Leben bereichern. Nur unterschiedliche Werte und Sichtweisen können Konfliktstoff bieten.

Eine Trennung ist immer schwer. Da stecken einfach viele Emotionen drin, mit denen man erst mal fertigwerden muss. Aber wenn die Beziehung keine Substanz mehr hat, ist es besser, die Weichen neu zu stellen und eine andere Richtung einzuschlagen. Nur sollte man dabei nicht dieselben Fehler wiederholen.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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