• 21.03.2023

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Sex wird überbewertet

langeweile

» Artikel vom

Gastautor: PlatzPatrone

Woody Allen wird nachgesagt, dass er einst den Satz prägte, dass Sex der grösste Spass ist, den man haben kann, ohne zu lachen. Wenn ich überlege, wie oft ich schon beim horizontalen Tango aus dem Lachen nicht mehr heraus kam, ist dies jedoch bereits klar widerlegt.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass der Vollkontakt der Geschlechter durchaus sehr erfreulich ist. Besonders mit dem Beginn der Adoleszenz, wenn die Hormone so richtig schön in die Blutbahn schiessen und jede weibliche Rundung eine Erektion hervorruft, die härter als Stahl ist und mit der man problemlos einen gefrorenen Acker umpflügen könnte, kann man sich oftmals nichts Schöneres vorstellen. Aber selbst hier konnte ich mich bereits mit Anfang 20 immer öfter dabei ertappen, dass ich direkt nach dem Orgasmus bei einem One-Night-Stand dachte: „Toll! War das all den Aufwand wert?“

Trotzdem fehlte mir zumindest damals noch die Reife, den Wahrheitsgehalt meines väterlichen Freundes Jörgen zu würdigen, der da sagte: „Sex wird überbewertet.“ Ausgerechnet der Jörgen, der auch wirklich nichts hatte anbrennen lassen. Legendär die Geschichte, wie er in seiner Zeit als Streifenpolizist in die Kneipe kommt, die überzogene Sperrstunde anmeckern will, und am Ende die Wirtin auf dem Billardtisch nach ihrem Schöpfer rufen lässt, während der Colt am Queue-Ständer daneben im Takt baumelt.

Auch dass der Sex mit der jeweiligen Gespielin nach etwa einem halben Jahr immer reizloser wurde, wollte mir damals noch kein Wink sein. Man war froh, dass man überhaupt regelmäßig Druck abbauen konnte, gleichzeitig war man aber auch wieder auf der Suche nach der Aufregung der ersten Stunde, als es noch das Gelände zu erforschen galt und man gegenseitig übereinander hergefallen ist, wie ein Rudel hungriger Wölfe über ein erlegtes Stück.

Mit steigendem Lebensalter und somit in aller Regel nachlassendem hormonellem Druck, ergab sich dann für mich und wahrscheinlich auch viele andere, dass man immer nüchterner auf die sogenannte schönste Nebensache der Welt blickte. Letztlich setzt sich der Gedanke durch, dass „Sex auch nur halb so schön ist, wie man sich das beim Wichsen vorstellt“, wie Jörgen mir regelmäßig augenzwinkernd auf den Weg gab.

Wenn man sich vor Augen hält, was man im Endeffekt für einen Aufwand betreibt, um dieses wohlig-warme Gefühl des kleinen Todes für ein paar Sekunden zu erleben, ist der Konsum von harten Drogen ja noch rationaler. Derartige Rauschzustände halten auch deutlich länger an – zumindest am Anfang – und sind für vergleichsweise geringen Geld- und somit Zeiteinsatz zu bekommen. Dies soll jetzt aber bitte nicht als Laudatio für den Konsum von kolumbianischem Marschierpulver und Konsorten verstanden werden. Wenn man das dann noch mit dem immer gleichen Partner betreiben soll, dann wird es rational noch absurder. Wie bereits erwähnt, stellt sich ein Ermüdungseffekt ein, der natürlich je nach Person unterschiedlich stark ausgeprägt ist, aber letztlich immer eintritt. Und die wenigsten von uns sind derartig begehrt, dass sie regelmässig, quasi ohne grösseren Zeit- und Geldeinsatz Neuakquise betreiben könnten. Auch der Besuch eines Freudenhauses steht eben in keiner Relation zum Besuch des Haus- und Hofdealers.

Wer sich dies vor Augen hält, der gewinnt mit der Zeit immer mehr Freude an anderen Dingen statt profanen Geschnacksels. Die Zubereitung eines leckeren Mahls aus guten Zutaten und dessen anschliessender Verzehr können gustatorisch ein gleichwertiges, wenn nicht gar sogar höherwertiges Vergnügen bereiten. Unbestritten hat man auf jeden Fall bei entsprechender Menge deutlich länger davon. Schliesslich wird nicht zuletzt Essen ja auch der Sex des Alters genannt.

Aber es muss ja nicht immer nur das Auftragen von Hüftgold sein. Auch ein erquickendes Mittagsschläfchen – und sei es am Nachmittag – bringt letztlich Entspannung und Wohlbefinden. Möchte man seinen Geist stählen, bietet sich das Studium der Literatur an. Soll der Körper ebenso seinen Tribut erhalten, getreu dem Motto „Mens sana in corpore sano“, dann bietet sich eine Wanderung an. Als Fan von Nachtwanderungen hatte ich schon Glücksgefühle, als ich nach Stunden der Wanderung durch finsteren Wald ins Freie kam und auf einmal ein wunderbares Panorama der im Tal liegenden Siedlung mit ihren nächtlichen Lichtern vor mir sah, die jedem Orgasmus zur Ehre gereichte.

Selbst wenn es banaler sein soll, kann man sich vorzüglich mit einem Computerspiel, einem Film oder einer guten Fernsehserie unterhalten. Ja gar, wenn der Druck zu gross wird, dann ist die Hand immer noch näher als das nächste Weib und die Gesundheit, sei sie physisch, psychisch oder gar finanziell, ist nicht gefährdet. Dank Internet ist auch der nächste Rüttelwestern zur visuellen Unterstützung nicht weit entfernt. Und das sogar ohne Zusatzkosten, dank der vielen freien, werbegestützen Angebote im Netz.

Wer jetzt also immer noch nicht vom Sex lassen möchte, dem stelle ich die Frage: Hast du schon mal Koks probiert? Kleiner Scherz. Aber es gibt oft wirklich besseres als die paar Minuten lausigen Gerammels.

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