• 15.01.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Ein Mann kann auch Angst bekommen

hospital

» Artikel vom

Vor gut drei Wochen wachte ich sonntags auf. Mein Brustkorb und mein linker Arm schmerzten. Dennoch begann ich mein morgendliches Ritual. Kaffee trinken und einige Kippen rauchen. Ich hoffte, dass es mir danach besser gehen würde. Leider nicht und so legte ich mich den ganzen Tag auf meine Couch. Ich schlief prächtig, aber eine echte Besserung trat nicht ein.

Ich erinnerte mich an meinen Freund Hardy. Vor 12 Jahren bekam er abends Schmerzen im Brustkorb, fuhr ins Krankenhaus und bekam dort einen Herzinfarkt. Er starb im Krankenhaus und wurde nur 44. Ein anderer Freund, mein Ex-Saufkumpel, schlief friedlich in einem Krankenbett ein und wachte nicht mehr auf. Mit 43. Das sind für mich keine guten Vorzeichen.

Die ganze Nacht zum Montag konnte ich nicht schlafen und die Schmerzen nahmen zu. So ein Dreck. Ich schleppte mich aus dem Bett und entschied, dann doch ins Krankenhaus zu fahren. Ich bin gleich in die Notaufnahme und teilte dort meine Sorgen mit. Für mich stand die Diagnose bereits fest. Ich habe irgendwas mit dem Herzen.

Man klemmte mich ans EKG und nach einigen Minuten stellte sich heraus, dass ich nichts am Herz habe. Alles in Ordnung. Ich sollte mich ausziehen und fragte die Krankenschwester, ob sie denn lange keinen schönen Mann nackt gesehen hätte. Sie lachte und fand auf meiner Brust zwei Rötungen. Dann kam gleich eine Oberärztin und sagte, dass dies bestimmt eine Gürtelrose sei. Gürtelrose? Was ist das denn? Ich fragte gleich Mr. Google und war im Bilde. Das wird eine schmerzhafte und langwierige Angelegenheit. Jedenfalls durfte ich nicht mehr nach Hause fahren und musste im Krankenhaus bleiben.

Die ärztliche Versorgung war erstklassig. Ich kann nichts Negatives berichten. Im Gegenteil. Die schlechten Medienberichte über Krankenhäuser trafen bei mir überhaupt nicht zu. Alles verlief extrem professionell. Die ersten Tage habe ich mich noch etwas gegenüber den Krankenschwestern zusammengerissen, aber dann konnte ich nicht mehr. Mein Sexismus brach durch, wenn auch in abgeschwächter Form. Die Krankenschwestern nahmen es mit Humor und ich gab ihnen viele Tipps zum Umgang mit Männern. Das Männermagazin habe ich nicht erwähnt. Sicher ist sicher. Jedenfalls haben mir die Nachtschichtschwestern immer frischen Kaffee gekocht. Ich mag Kaffee zu jeder Tageszeit und kann dabei trotzdem prima schlafen. Das war sehr nett.

Das Essen ist im Krankenhaus natürlich nicht berauschend. Aber ich hatte eine Salami von meinem Metzger dabei. Damit konnte ich es aushalten. Ein echter Kritikpunkt war die Putzfrau. Am ersten Tag ließ ich mir ihr lust- und planloses Herumwischen noch gefallen. Am zweiten Tag erklärte ich ihr, dass ich über acht Jahre beim Militär war und ihr nun zeige, wie richtig geputzt wird. Das tat ich nach militärischer Art. Das Prinzip: Ich erkläre, ich zeige, ich zeige und erkläre. Ein zielsicheres dreistufiges Prinzip. Am nächsten Tag kam sie nicht mehr wieder, sondern eine etwas ältere Frau. Das junge Ding hatte wohl die Schnauze voll von mir. Die neue Putze hat es aber ordentlich gemacht und meine weiterführenden Hinweise gut beachtet.

Im Krankenhaus sind mir die vielen Ärzte aus dem europäischen Ausland aufgefallen. Der Arzt, der mir eine Nadel in die Wirbelsäule rammte, kommt aus der Slowakei, meine Assistenzärztin aus Serbien und mein Oberarzt wohl aus Griechenland. Alle sprachen sehr gut Deutsch und waren extrem bemüht, alles ordentlich zu machen. Der Ärztemangel scheint wohl doch ein echtes Problem in Deutschland zu sein. Ich denke auch, dass die Bezahlung im Krankenhaus nicht sonderlich gut ist. Wenn eine Krankenschwester im Schichtdienst um die 1.500 Euro netto macht, dann wird ein Arzt zwar etwas mehr bekommen, aber von einem fetten Verdienst wird er meilenweit entfernt sein.

Die Nachtschichtschwestern hatten immer etwas Zeit für einen kleinen Plausch. Das ist ein richtig harter Job. Ich könnte das nicht. Zumal ich eh kein Elend sehen kann und zu viel Mitgefühl habe. Egal ob Krankenschwester oder Arzt. Man muss schon eine harte Schale haben, um jeden Tag dieses Leid zu ertragen.

Als ich ins Krankenhaus einzog, sendete ich eine kurze Email an meinem Chef, dass ich für zwei Wochen ausfalle. Meine Kolleginnen und Kollegen können mich nicht sonderlich leiden und so besuchte mich nur mein Chef. Meine zwei Freunde wohnen einfach zu weit weg und ich wollte nicht, dass sie zig Stunden anreisen. Schließlich lag ich nicht im Sterben. Jedenfalls ist meine Kollegialität dadurch sicherlich nicht gestiegen und ich ordne diesen Fakt richtig ein.

Die Krankheit ist durchaus unangenehm, denn die Schmerzen auf der Haut kommen heftig. Die Ursache der Gürtelrose liegt bei mir wohl im Stress. Das werden die Nachwirkungen meiner zahlreichen Exfrauen gewesen sein. Vielleicht steckt man doch nicht alles so easy weg, wie man immer meint. Jedenfalls muss ich mein Arbeitspensum runterfahren und somit werde ich zukünftig nicht mehr 5.000 Euro netto verdienen können. Was soll sich auch mit so viel Geld? Wenn ich einige Scheinchen brauche, dann frage ich den Herrn. Gott hat mir bisher immer geholfen und darauf kann ich immer vertrauen.

Meine Assistenzärztin hat mir gut gefallen. Mitte 30, Single, keine Kinder, vielleicht etwas zu schlank. Sicherlich gehe ich nochmal zu ihr ins Krankenhaus mit einer belanglosen Frage. Da geht bestimmt etwas und ich platze dann gleich damit heraus, was ich will. Schwarz oder weiß. Dazwischen kenne ich eh nichts. Ich verplempere meine Zeit jedenfalls nicht mit Flirten. Und damit wäre mein Krankenhausaufenthalt ein voller Erfolg. Gegen die Liebe kann man eh nichts machen.

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