• 28.02.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Investitionsstau bei der Infrastruktur

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Die deutschen Autobahnen, Straßen und Brücken sind zum Teil in einem erbärmlichen Zustand, wobei es zwischen den Bundesländern erhebliche Unterschiede gibt. Im Großraum München bis nach Nürnberg oder Augsburg sieht alles sehr ordentlich aus. Wer aber in Richtung Ruhrpott fährt, muss fast schon Angst um sein Auto haben. Die Autobahnen sind schrecklich schlecht und es verwundert schon, dass Bayern seine Aufgaben ganz gut erfüllen kann und NRW es einfach nicht packt.

Wirtschaft und Medien posaunen praktisch jährlich in den Äther, dass die Investitionen in die Infrastruktur drastisch erhöht werden müssen. Und genau das geht eben nicht so einfach. Von den meist jungen Journalisten kann sicherlich nicht erwartet werden, dass sie Ahnung von der Materie haben, von der Wirtschaft aber schon. Die Investitionen können eben nicht einfach drastisch erhöht werden und das aus vielen Gründen.

Über Jahre haben die öffentlichen Auftraggeber ihre Investitionen zurückgefahren. Aus Mangel an Geld oder anderen Gründen, die an sich egal sind, weil es an den Fakten nichts ändert. Sind die Investitionen rückgängig, dann schrumpfen natürlich auch die Baufirmen. Baubetriebe gehen schlichtweg Pleite, schließen die Firma freiwillig oder es werden Mitarbeiter mangels Aufträgen auf die Straße gesetzt. Wo soll eine Straßenbaufirma Aufträge generieren, außer bei öffentlichen Auftraggebern? Nirgends, denn die paar Höfe oder Lagerplätze, die vielleicht asphaltiert werden könnten, reichen eben nicht aus, um die öffentlichen Auftraggeber zu ersetzen bzw. zu kompensieren. Keine Chance. Im Übrigen ist es ein Mythos, dass öffentliche Auftraggeber schlechte Zahler sind. Sind die Baukosten im Haushaltsplan eingestellt, dann sind Städte und Gemeinden ziemlich attraktive Auftraggeber.

Über Jahre hat sich die Bauwirtschaft auf ein niedriges Niveau eingestellt. Das ist so gravierend geworden, dass nun sogar der technische Nachwuchs fehlt. Junge Männer wollen nicht mehr Maurer oder Straßenbauer werden, obwohl die Löhne auf dem Bau sehr attraktiv sind. Die meisten Baufirmen sind nicht mehr in der Lage, kurzfristig ihr Personal aufzustocken, weil es an Fachkräften mangelt. Lieber werden Aufträge abgelehnt. Es macht keinen Sinn die Auftragsbücher zu füllen, wenn es später an der Ausführung mangelt.

Deshalb ist das Geschrei nach höheren Investitionen ziemlich sinnlos. Es gibt weder genügend Planungsbüros, noch die notwendigen Kapazitäten bei den Baufirmen. In einigen Spezialbereichen haben wenige Baufirmen sogar den Markt fest im Griff. Mangels Konkurrenz.

Nun plötzlich die Bauwirtschaft mit Geld zu überschütten bringt nichts. Und von Nachhaltigkeit ist eine kurzfristige Geldspritze meilenweit entfernt. Der einzige Weg ist die sinnvolle und stetige Erhöhung von Investitionen, so dass die Beteiligten am Bau die Möglichkeit haben, ihre Kapazitäten zu erweitern. Das ist ein Prozess über Jahre und geprägt von großer Unsicherheit, weil die Investitionen von der Politik abhängen und damit sehr volatil sind. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum Planer wie auch Baufirmen lieber Aufträge ablehnen, statt neues Personal auszubilden und einzustellen. Wer auf dem Bau arbeitet, kennt den Stress und wird sich immer die Frage stellen, warum man sich dies antut. Trotz des Ärgers macht Bauen eben doch Spaß.

Ein weiteres Problem ist der durchaus vorhandene Pfusch am Bau. Auftraggeber sprechen sich davon immer frei, weil sie selbst ja nicht bauen, sondern lediglich das Geld zur Verfügung stellen. Doch ohne auskömmliche und anständige Preise ist gute Qualität kaum zu realisieren. Da ist es durchaus verwunderlich, wie Menschen tatsächlich daran glauben, Qualität zum Dumpingpreis zu bekommen. Hinzu kommt der unsägliche Termindruck. Die Kombination macht es eben. Eine weitere Ursache für den Pfusch am Bau ist mangelhafte Planung. Qualitätsbewusste Baufirmen geraten dann in einen Strudel aus Streit mit Planern und Auftraggebern. Wer richtig und gut bauen will, hat es meist sehr schwer.

Nur im Brücken- und Straßenbau ist der Pfusch recht gering, weil es hier für jeden technischen Fall eine Vorschrift gibt. Alles ist bis ins Detail genormt und die Überwachung der Bauleistung ist sehr dicht. Objektüberwacher und Prüflabore sowie kombinierte Fremd- und Eigenüberwachung sichern eine hohe Qualität. Das größte Problem jedoch ist nicht der richtige Neubau oder die Sanierung, sondern die Pflege und Wartung der Bauwerke. Nichts hält ewig und daran scheitert es. Kleinere Ausbesserungsarbeiten, die zeitnah mit geringem Kostenaufwand erledigt werden könnten, werden aus Geldmangel schlichtweg nicht gemacht. So wird aus einem kleinen Problem und ein Großes.

Früher wurden Risse und Schlaglöcher ausgefräst und mit Gussasphalt – einem flüssigen Asphalt – verfüllt. Das ist eine teure, aber langlebige Bauweise. Und es war stets ein gutes Geschäft für die Asphaltfirmen, doch diesen Markt gibt es nicht mehr. Heute wird billiger Kaltasphalt in die Schlaglöcher geschmiert und fertig. Da muss sich niemand wundern, wenn nach wenigen Jahren der Straßenbelag hinüber ist. Das ist nur ein Beispiel und könnte beliebig fortgesetzt werden.

Dennoch kann Deutschland mit seiner Infrastruktur recht zufrieden sein. Wer einmal in New York war, kann so richtig schlechte Straßen bewundern. Auch das Kanalsystem ist dort völlig veraltet und unzählige Aufgrabungen zieren die Straßen. Verfüllt werden die Aufgrabungen nicht, weil mit weiteren Schäden gerechnet wird. Es werden Stahlplatten als Überfahrt verlegt und gut ist es. Die New Yorker Straßen bestehen oft fast nur noch aus Stahlplatten. Unglaublich, dass eine so reiche Stadt wie New York eine so schrottige Infrastruktur hat, die man hier nur aus dem Saarland kennt.

Es bleibt spannend, wie die deutsche Politik die Infrastruktur auf Vordermann bringen will.

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