• 26.03.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Lügenpresse ist überall

muenchhausen

» Artikel vom

Das Wort „Lügenpresse“ ist das Unwort des Jahres 2014. Mittlerweile haben Recherchen ergeben, dass die „Lügenpresse“ keine Erfindung der Nazis war, sondern schon im 1. Weltkrieg zu Propagandazwecken eingesetzt wurde. Danach haben die Nazis dieses Wort völlig verbraucht und so steht die Bezeichnung „Lügenpresse“ heute im faschistischen Kontext. Die momentane politische Meinung geht davon aus, dass die Verwendung von „Lügenpresse“ im deutschen Sprachgebrauch einen rechtsradikalen Hintergrund hat.

Die PEGIDA Bewegung aus Dresden hat die „Lügenpresse“ aus der Versenkung geholt, weil sie der Meinung war und ist, dass die deutschen Medien in ihrer Berichtserstattung über PEDIGA lügen würden. Soweit zur aktuellen Entwicklungsgeschichte der „Lügenpresse“.

Die deutschen Medien als „Lügenpresse“ zu bezeichnen ist sicherlich diffamierend, aber wohl von der Meinungsfreiheit gedeckt. Nun sind Nachrichten immer ein Mix aus Fakten, persönlichen Meinungen und Propaganda. Die absolute Wahrheit hat niemand für sich gebucht und das ist sicherlich auch nicht machbar. Ereignisse werden kurz und knapp in reißerischen Bildern präsentiert. Freilich bleiben tiefgreifende Analysen auf der Strecke. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen. Alle Nachrichtensender kämpfen um Einschaltquoten und das ist ein nicht ungefährlicher Spagat. Übertreibungen gehören heute zum journalistischen Geschäft und wer den ersten fetten Knaller bringt, wird hohe Werbeeinnahmen generieren. Dass hier und da die Wahrheit etwas verdreht wird, weiß jeder. Manchmal bleibt es im Rahmen und manchmal nicht.

Jeder kennt die Bilder aus Paris, wo viele Staatsführer am Trauermarsch für die getöteten Comiczeichner teilnahmen. Die Bilder suggerierten, dass die Staatslenker vorneweg marschierten und dahinter gleich das treue Volk. Diese Bilder waren manipuliert, denn die Märsche der Regierungschefs und der Bevölkerung fanden zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten statt. Klar, dass sich darüber Unmut breit macht. Das war eine echte Verarsche. Hätten die Medien erklärt, dass aus Sicherheitsgründen ein Abstand zwischen den Politikern und dem gemeinen Volk nötig ist, dann hätte das jeder verstanden. Nein, das haben sie erst im Nachgang gemacht. Das hat dann einen etwas bitteren Beigeschmack. Die Journalisten müssen diese Kritik akzeptieren. Schließlich stimmen die Fakten, das lässt sich kaum noch leugnen.

Die letzte Propagandaschlacht war der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Die öffentlich rechtlichen Fernsehsender waren nicht kritisch, sondern voll auf Linie der Politik. Russland ist Scheiße und die Ukrainer sind die Besten. Die Journalisten waren auf Westkurs gedrillt und so klang auch die Berichterstattung. Gerade Journalisten wissen, dass die Wahrheit immer ans Tageslicht kommt. Und so stehen sie heute etwas bedeppert da und sagen über sich selbst, dass ihre Berichterstattung doch etwas einseitig war. Diese Einsicht kommt freilich zu spät. Ich will jetzt nicht näher darauf eingehen, aber wer die zahlreichen Dokumentationen der letzten Jahre über Russland auf Phoenix sah, hat das richtige Russlandbild im Kopf.

Jeder politisch Interessierte muss sich im Klaren sein, dass Nachrichten nur oberflächliche Informationen geben können. Tiefgründiges Wissen wird dabei nicht vermittelt. Diese Aufgabe übernehmen die sogenannten Spartensender, wie eben Phoenix. Ein toller Kanal mit erstklassigen Dokumentationen über die gesamte Welt. Wer nebenbei noch einige Bücher liest, wird zu jeder Zeit merken, wo er etwas manipuliert wird. Bildung ist Privatsache und liegt in der Hand des Einzelnen. Es verwundert schon, dass einige der Meinung sind, nicht selbst für ihre Bildung verantwortlich zu sein.

Zu diesem Thema gehört auch die Meinungsfreiheit. Ein ganz heißes Thema, denn was erlaubt ist und was nicht, das legt der Staat mit seinen Gesetzen fest. So würden einige französische Karikaturen in den USA schlichtweg verboten sein und ein Strafverfahren für die Macher nach sich ziehen. In Europa dagegen werden diese satirischen Zeichnungen als Kampf für die Meinungsfreiheit angesehen. So schmal kann der Grat zwischen Knast und Heldentat sein. Bemerkenswert. Noch spannender ist das Verbrennen von Staatsflaggen. In den USA ist das Verbrennen der Nationalfahne erlaubt. In Deutschland ist das eine Straftat. Nun kann ein Deutscher die Deutschlandfahne in den USA zwar straffrei verbrennen, aber er unterliegt als Deutscher den Gesetzen der BRD. Betritt er wieder deutschen Boden, dann wird er den Staatsanwalt kennenlernen und vom Strafrichter eine saftige Strafe bekommen. Und wer nun an die westliche Demokratie und Freiheit denkt, bekommt das Lachen. Niemand weiß bei so vielen unterschiedlichen Gesetzen, was erlaubt ist.

Und der deutsche Jubel über die angeblich grenzenlose Meinungsfreiheit, wobei sich alle deutschen Politiker in diesem Punkt einig sind, wirkt etwas aufgesetzt. Sie glauben in Wahrheit selbst nicht daran und sie wollen es auch nicht. Ein Beispiel?

Thomas Lentze hat in seinem Blog geschrieben, dass „Frauen Kackbratzen mit erhöhtem Wurfbedürfnis“ sind. Das hat die Landesanstalt für Medien auf den Plan gerufen. Er wurde zu einem Ordnungsgeld verurteilt und weil er als Hartz IV Empfänger nicht zahlen konnte, saß Lentze 2 Wochen im Gefängnis.

Und so richtig undurchsichtig wird es, wenn Frauen ähnliche Witzchen über Männer ablassen. Ein Beispiel? Alice Schwarzer hatte den genialen Einfall, einen antisemitischen Witz der härtesten Sorte auf Männer umzuschreiben. Sie sagte: „Was ist ein Mann in Salzsäure? Ein gelöstes Problem!“ Eine strafrechtliche Konsequenz musste sie nicht fürchten. Schließlich handelt es sich um einen Witz.

Die Auslegung der Meinungsfreiheit gestaltet sich als schwierig. Politisch gedrillte Richter, das sind wohl ausnahmslos alle, urteilen stets im Sinne der Staatsdoktrin. Das ist in Ordnung, aber dann darf man nicht von grenzenloser Freiheit sprechen, wie es die Bundespolitiker gerade in trauter Einigkeit tun.

Um dieses Thema etwas abzurunden, noch eine kleine Episode aus meinem Leben. Ein Bekannter von mir, aus Frankfurt/Main, und ich saßen in einem Lokal. Wir aßen gut und beim Zahlen der Rechnung, sagte mein Kumpel, dass er seine Geldbörse zu Hause vergessen hat. Ich sagte zu ihm: „Du bist eben ein echter Jude.“ Er antwortete: „Du würdest als Pole normalerweise die Rechnung prellen.“ Ist Dir dieser Wortwechsel zu hart? Nun ist mein Kumpel tatsächlich Jude und meine Familie kommt in der Tat ursprünglich aus Ostpreußen, dem heutigen Polen. Die Kellnerin guckte bei unserem Wortwechsel ziemlich verdutzt, aber sie kannte den Hintergrund unserer derben Witze eben nicht. Wir haben uns köstlich amüsiert. Das hat mit Polen- und Judenhass freilich nichts zu tun. Wir haben uns nur gegenseitig verarscht. Wir fanden das lustig, aber andere werfen uns deswegen Hass vor.

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