• 22.02.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Das Leben ist kein Ponyhof

pony

» Artikel vom

Mit einem Kumpel, fast schon ein Freund, telefoniere ich jeden zweiten oder dritten Abend. Ich muss ihn dabei ständig ermahnen, seinen stinkenden Diesel-Benz nicht so zu treten, weil ich ihn sonst mit seiner minderwertigen Freisprechanlage nicht verstehe. Das ist kein Ponyhof, ist sein momentaner Standardspruch.

Abends nach einer Weiterbildung haben wir in einem Edelrestaurant ordentlich zugeschlagen. Hummersüppchen, danach Surf & Turf, Nachtisch und dazu kippte er jede Menge Biere in sich rein. Ich trank nur Wasser, weil es keine Coke Zero gab. Die Rechnung war nach diesem Schlemmerabend satt. Wir stritten uns ein wenig, wer die Rechnung bezahlt, aber dieser Kollege war nicht geizig und mein Widerstand nicht sehr groß. Er zückte seine Geldbörse und legte drei von diesen Hundertern auf den Tisch. Passt. 10 Euro Trinkgeld sind Ordnung.

So ein richtiger Männerabend ist schon geil. Das Hauptthema ist der Job, Kunden, Erlöse und wo man neue Aufträge aufreißen und wo man vielleicht etwas gemeinsam bewerkstelligen kann. Kontakte sind immer gut, aber noch wichtiger sind die gegenseitigen Ratschläge. Wir arbeiten nicht ganz in der gleichen Branche, aber doch angrenzend. Bei komplizierten Fragestellungen beraten wir uns gegenseitig. Ich bin immer begeistert und er sicherlich auch, denn sonst würden wir nicht so oft plaudern.

Dabei mache ich mich immer lustig über ihn, seit er seine Freundin geschwängert hat. Das Kind ist mittlerweile etwas größer und da gab es schon jede Menge Ärger. Ja, mein Kumpel trinkt abends seine Bierchen und Mutti muss tagsüber die leeren gegen volle Bierkästen eintauschen. Kein Problem, immerhin sie hat einen schönen großen Van, doch trotzdem mault die Alte immer etwas rum. Trink nicht so viel und komm nicht so spät nach Hause. Das übliche Gedöns, was ein Mann sich abends von seiner Liebsten anhören muss.

Ein anderer Kumpel ist noch viel weicher. Da bekomme ich zu ihm nach Hause schon lange keine Einladung mehr, weil sich bei intensiverem Kontakt zu mir tiefgreifende Veränderungen einstellen, so seine Frau. Der letzte gemeinsame Grillabend ist nun schon fast zwei Jahre her und da war der Tisch nur mit Schrott bestückt. Kein Rinderfilet, kein Rumpsteak, keine Thüringer Bratwürste, kein Bautzener Senf. Alles nur ungenießbarer Scheißdreck, der da rumstand. Hätte ich gewusst, dass die Produkte von der Tafel kommen, wäre ich selbst einkaufen gegangen, raunte ich in die Runde. Da war die Alte stinksauer auf mich. Und nebenbei mag sie mein Geglotze auf ihre dicken Möpse nicht. Doch wie soll ich in ihr Gesicht gucken, wenn mir ihre dicken Dinger in die Augen stechen? Doch nun, oh Wunder, soll angeblich der nächste Grillabend noch in diesem Monat stattfinden. Ich bot schon meine Hilfe an und würde sogar etwas Geld spendieren, damit richtige Steaks eingekauft werden. Notfalls nehme ich die Sache auch selbst in die Hand. Aber nein, dieses Mal würde alles besser sein, versprach er mir. Ich werde es sehen, aber meine Zweifel habe ich trotzdem. Das Leben ist wirklich kein Ponyhof.

Ich bin oft pleite und das Leben ist sehr hart zu mir. Erst jetzt habe ich das Geld zusammengekratzt, um mir zwei Deckenlampen zu kaufen. LED muss es sein. Das spart Stromkosten. Und eine Halterung für die Wand brauche ich auch, damit ich meinen Monitor aufhängen kann. Blöd nur, dass ich weder eine Bohrmaschine, noch Bohrer und geschweige denn Dübel habe. Ich würde es vielleicht irgendwie selbst hinbekommen, aber meine über Jahre sehr gepflegten Hände könnten Schaden nehmen. Und so fragte ich einen Handwerker, der eine Etage tiefer eine Wohnung saniert. Ein Ossi. Ich nenne ihn mal ganz nostalgisch Herbert, weil er schon auf die 60 zugeht.

Herbert bestaunte vor einigen Monaten meinen Lada und quatschte mich von der Seite an. Ich fragte, ob er so ein Marxistenschwein aus dem Osten sei. Da blieb ihm die Spucke weg und seine Hand wurde zur Faust. Eine Ecke ist der Herbert schon, aber ich schob flott nach, dass ich Ossi und Kommunist bin. Da lachten wir beide und klopften uns auf die Schulter. Da treffen sich im tiefsten Oberfrankenland zwei DDR-Bürger. Das Leben ist eben kein Ponyhof. Jedenfalls hat der Herbert alles, was ein Handwerker so braucht. Jede Menge Werkzeug und auch Ahnung, wie diese Geräte zu bedienen sind. Dem Herbert habe ich einen kleinen Vorschuss in die Brusttasche gesteckt und die Sache ist gebongt. Wenn die Lampen und der andere Kram kommen, dann steht Herbert bereit. Unter echten Kommunisten natürlich kein Problem. Er schleppte auch schon meine Lada Reifen aus dem Keller und schaffte sie mit seinem Caddy zum Reifendienst. Perfekt, denn mit den Reifen hätte ich meinen Lada verschmutzt. Herbert hat dafür Verständnis, denn er wurde in der DDR von einem dunkelblauen Lada abgeholt und verhört. Man ließ ihn aber wieder laufen. Obwohl er damals ein Widerstandskämpfer war, trauert er wie ich den alten und schönen Zeiten nach. Die Zeit heilt alle Wunden und trotz damaligen gegensätzlichen politischen Ansichten plaudern wir heute wie alte Kumpels.

Ich weiß bis heute nicht, was der Spruch „Das Leben ist kein Ponyhof“ bedeutet. Und nun plappere ich diesen Unsinn nach, bis ich den nächsten Spruch aufschnappe.

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