• 22.02.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Der Kampf an vielen Fronten

thilo

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Holger kam nun mit seinem Sohn Thilo in Bangkok an. Meine Haushälterin Lek und meine damalige Freundin Shoji waren dabei, um die beiden zu begrüßen. Der Kleine war vom Flug etwas fertig, aber er strahlte. Endlich laufen und nicht mehr im Flieger sitzen. Für Thilo begann damit ein Leben im Schlaraffenland. Es ist klar, dass man einem kleinen Jungen all das bieten möchte, was man selbst nicht hatte oder nicht haben konnte.

Wir wohnten 70 Meter vom Meer entfernt, in einem Haus über 3 Etagen. Auf dem Dach hatten wir unsere Küche und konnten bei unseren Mahlzeiten das Meer sehen. Ja, das war schon nicht schlecht. Neben der Haushälterin Lek, die Bestandteil unserer Familie war, hatten wir noch eine Putzfrau. Das Haus war immer wie geleckt. So mag ich das. Alles piekfein sauber.

Thilo wurde morgens um 07.30 Uhr von einem Minibus abgeholt und dann ging es in den Kindergarten. Nachmittags um 15 Uhr wurde er wieder gebracht und Lek kümmerte sich dann um Thilo. Ich habe Lek angewiesen, dass sie noch eine Stunde mit ihm lernen muss, bevor es zum Spielen geht. Wir kauften eine Tafel, damit Thilo das thailändische Alphabet lernt. Nach wenigen Monaten konnte Thilo so gut thailändisch sprechen, als wenn er in Thailand geboren wäre. Das war schon beeindruckend.

Thilo war schon witzig. Ich habe schnell geschnallt, dass er nicht direkt von Deutsch in Thai übersetzen konnte, aber wenn ich ihm auf Deutsch sagte, dass er der Lek sagen soll, dass sie mir eine Suppe kochen soll, dann gab Thilo das sofort in thailändisch an Lek weiter. Das war ein tolles Spiel. So sagte ich dem Thilo, dass er der Lek sagen soll, dass sie meine Beste ist. Dann, dass sie hübsch aussieht und es durfte nicht fehlen, dass ich schmutzig bin und gewaschen werden müsste. Köstlich. Wir haben gebrüllt vor Lachen.

Thilo hatte aus dem Kindergarten ein Schwert aus Plastik mitgebracht. Fortan war das Schwert immer beim Thilo. Beim Abendessen war es mir dann zu viel. Thilo leg das Schwert bitte weg. Er kam zu mir und fuchtelte mit dem Schwert vor mir rum. Thilo, setz Dich hin, leg das Schwert weg und iss. Thilo, wie Jungs so sind, wurde schlagartig taub. Thilo, ich werfe Dein Schwert vom Dach. Thilo lachte und als das Schwert vom Dach segelte, war das Geschrei groß. Er aß unter vielen Tränen und die Weiber, meine Freundin Shoji und Lek, nervten mich, dass ich das Schwert holen müsste. Ich habe es gemacht. Gegen das Gekeife von zwei Frauen kämpfe ich nicht an.

Nun hat jede schöne Zeit eben auch ein Ende. Das Jugendamt Essen, vertreten durch den vom Kindeswohl getriebenen Mitarbeiter Jürgen Crames, hatten wir im Nacken. Er behauptete, dass Thilo faktisch im Elend leben würde. Ich habe die Deutsche Botschaft angeschrieben, dass sie uns kontrollieren können. Ich schickte tonnenweise Bilder, aber es half einfach nichts. Der Jugendamtsmitarbeiter war durch nichts zu überzeugen und wer nicht will, der wird niemals seine Meinung ändern.

Herr Crames war der festen Überzeugung, dass es dem Thilo bei seiner suizidgefährdeten Mutter, die auf Hartz IV lebt, deutlich besser gehen würde. Es kann nicht sein, so im Urteil des Amtsgerichts Essen, dass ein kleiner Junge mit dem deutschlandweit bekannten Unterhaltspreller Bräunig unter einem Dach leben muss, der zudem mit dem Jungen Unterhaltssachen bespricht. Freilich täglich. Selbst der positive Bericht des thailändischen Jugendamts half nicht. Herr Crames hatte seine vorgefertigte Meinung und nichts konnte ihn vom Gegenteil überzeugen.

Nachdem sich dann auch noch die Deutsche Botschaft einschaltete, wurde es spannend, denn die sitzen eben vor Ort und machten uns das Leben richtig schwer. Aus taktischen Gründen zog ich eine interessante Karte. Ich sackte alle ein und wir fuhren nach Bangkok zur Deutschen Botschaft. Hier ist der Junge Thilo, Ihr wollt ihn haben, also nehmt ihn. Hier und jetzt. Der Mitarbeiter der Rechtsabteilung, Herr Moreth, ist schlichtweg ausgeflippt. Moreth ist eine spezielle Nummer für sich und mit allen Wassern gewaschen. Nach einem Streit über Unterhalt und seiner Drohung, dass ich nun in Abschiebehaft kommen würde, schaffte er es doch tatsächlich, dass alle Ton- und Videoaufnahmen in der Deutschen Botschaft von diesem Gespräch verschwunden sind. Wegen Wartungsarbeiten! Anwaltliche Beschwerden beim Auswärtigen Amt in Berlin brachten freilich nichts. Das klingt heute alles noch viel skurriler als damals.

Nun wurde Thilo letztlich doch nach Deutschland zurückgeführt. Kein Mensch hat größere Lust, wegen des Vorwurfs einer Kindesentführung in Thailand in den Knast zu wandern. Vordergründig ist es egal, ob der Junge Thilo im sonnigen Thailand oder in der Hartz IV Matte in Deutschland lebt. Doch was ist die menschliche Seite dieser Medaille? Wie hat sich Thilo durch die Hilfe vom Jugendamt entwickelt? Ich bin sicherlich keiner, der die Arbeit vom Jugendamt Essen fachlich bewerten kann, aber es verwundert durchaus, was aus dem Jungen Thilo geworden ist.

Abgemagert und süchtig nach Computerspielen lebt er in seiner eigenen Traumwelt. Und das mit 12 Jahren. Ein Zustand, der sprachlos macht. Die Arbeit des Jugendamts ist sicherlich kaum zu kritisieren, denn der Junge lebt ja schließlich. Das ist ein großer Erfolg. Da hat Herr Crames vom Jugendamt Essen ganze Arbeit geleistet.

Es ist sicher nicht positiv zu sehen, dass der nun jugendliche Thilo bei seinem Vater lebt, während der eine perfekte Hartz IV Karriere durchlebt. Aus Thilo wird so nichts mehr werden. Er ist in diesem Umfeld hoffnungslos verloren und es gibt kein wirksames Mittel dagegen. Sicherlich hat das Jugendamt sein Bestes gegeben und arbeitet am Limit. Das verdient Respekt und Anerkennung, aber als ergebnisorientierter Mensch würde ich mich bei diesem Ergebnis schämen. Der Verantwortliche beim Jugendamt Essen sicherlich nicht.

Diese Geschichte trifft mich nicht in meinem Herzen, denn ich kenne das unmenschliche und korrupte System zu gut aus eigener Erfahrung. Es ist so, wie es ist. Jeder kämpft für sich alleine und die Einstellung, sich ausschließlich um das eigene Wohlergehen zu kümmern, dürfte da in Ordnung gehen. Eine andere Möglichkeit gibt es faktisch nicht und wer etwas anderes denkt, wird immer gegen Windmühlen kämpfen.

Hier geht’s zum ersten Teil der Geschichte.












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